Unterm Brennglas ...
Warum sind wir die Guten?
Eine Grundannahme der westlichen liberalen intellektuellen Bildungselite und der Mehrheitsmeinung in den Medien ist, dass die von den USA angeführte westliche Staatengemeinschaft eine positive Rolle in der Welt einnimmt. Eine substanzielle Kritik, die die Wurzeln der westlichen Außenpolitik untersucht und deren Auswirkungen moralisch bewertet, erfolgt kaum. Auf der anderen Seite werden Länder wie Russland, Syrien oder der Iran als Schurkenstaaten bezeichnet, mit dem Argument, deren Außenpolitik beruhe auf ruchlosen Motiven wie imperialistischer Machterweiterung. Dieser Bewertungsstandard wird allerdings nicht auf die westliche Staatengemeinschaft angewendet. Denn nach der offiziellen Lesart steht der Westen für Demokratie und Menschenrechte ein und kämpft gegen den Terrorismus. Michael Lüders, Nahostkorrespondent und Islam-Experte, beschreibt diesen Sachverhalt in seinem Buch »Wer den Wind sät: Was westliche Politik im Orient anrichtet«: »Die Guten sind wir, die westliche Politik, weil sie für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte steht. Westliche Politiker vermeiden es nach Möglichkeit, von Interessen zu reden. Lieber erwecken sie den Eindruck, sie betrieben ein weltweites Demokratisierungs- und Wohlfahrtsprogramm.«
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Florian Zollmann
ist Direktor de8 Archbishop Desmond Tutu
Centre for War and Peace Studies
an der Liverpool Hope University und Dozent für Medienwissenschaften. Zu seinen Schwerpunkten gehören Kriegsberichterstattung, Internationale Beziehungen und Propaganda.

