Careleaver
»Ich hatte Glück«
Ich bin Careleaverin. Das Wort kommt aus dem Englischen und bezeichnet Jugendliche, die die stationäre Jugendhilfe verlassen oder verlassen haben. Einen Teil meiner Jugend habe ich in einer Wohngruppe und später im betreuten Einzelwohnen verbracht. Schon damals hatte ich das Gefühl, dass ich massiv Ungerechtigkeit erlebe. Hatte ich einen Job, musste ich 75 Prozent des Lohns ans Jugendamt abgeben. Sozusagen als Entschädigung für die Kosten, die ich verursachte. Ständig wurde mir gesagt, dass ich teuer bin. Dazu kommt das Stigma, dass Heimkinder als asozial gelten. Aus denen werde eh nichts.
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Veronika Gräwe, geboren 1990, lebt in Berlin und promoviert in Frankfurt am Main in praktischer Theologie.
