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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2019
Was ist heilig?
Der Inhalt:

Die Not der Fleischarbeiter

von Thomas Seiterich vom 20.06.2019
Der Verein »Aktion Würde und Gerechtigkeit« berät ausgebeutete Osteuropäer
Arbeiter in der Fleischindustrie: Akkord-Arbeit unter extremen Temperaturbedingungen (Foto: Alamy Stock Foto)
Arbeiter in der Fleischindustrie: Akkord-Arbeit unter extremen Temperaturbedingungen (Foto: Alamy Stock Foto)

Unbekannte haben dem Priester Peter Kossen einmal nachts ein totes Tier vor die Haustür gelegt. Es war ein »Gruß« nach Art der Mafia. Zur Warnung, dass sein Eintreten für ausgebeutete, osteuropäische Schlachthof-Arbeiter krasse Folgen zeitigen könnte. Jüngst hat ein Unbekannter den couragierten Pfarrer von Lengerich wissen lassen, er solle die Radschrauben an seinem VW jeden Morgen auf ihre Festigkeit prüfen, bevor er losfahre. Den Theologen Kossen schüchtert das nicht ein.

Jetzt hat er den Verein Aktion Würde und Gerechtigkeit gegründet, um das Engagement für die Arbeitsmigranten auf breitere Füße zu stellen. »Würde und Gerechtigkeit wird ihnen als Leiharbeiter in der Fleischindustrie oft vorenthalten«, sagt der Pfarrer. Sie arbeiten Akkord in Kälte oder Hitze, nicht selten bis zur totalen Erschöpfung. Das deutsche Recht unterstelle, dass der Arbeitnehmer seine Rechte selbst geltend mache. »Doch da gibt es eine eklatante Lücke, die wir schließen möchten.« Der Gang zu Betriebsräten, Gewerkschaften und dem Arbeitsgericht sei für Arbeitsmigranten de facto versperrt, erläutert Kossen: »Sie sprechen die Sprache nicht. Die Betriebsräte der großen Firmen sind für sie als Leiharbeiter nicht zuständig und sie finden keine Zugänge zu Anwälten und Rechtsberatung.«

Das will der Verein ändern: Er bietet mithilfe von Ehrenamtlichen und von Juristen muttersprachliche Beratung an und hat einen Rechtshilfefonds gegründet.

Kossen kämpft mit Gleichgesinnten seit Jahren in Westfalen und im Oldenburger Münsterland für die Fleischarbeiter. Anfangs kamen sie aus Polen, Rumänien und Bulgarien, heute auch aus Moldawien und der Ukraine. »Wir lassen nicht zu, dass sie

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