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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2018
Mensch oder Profit
Woran die Pflege krankt. Und wie es besser geht
Der Inhalt:

Pflicht zu Klarnamen im Internet?

Anonymität macht es einfach, Menschen in den sozialen Medien zu beleidigen und ihnen zu drohen. Brauchen wir eine gesetzliche Regelung, die Betreibern von Plattformen wie Twitter oder Instagram vorschreibt, dass sie die wahren Namen ihrer Nutzer kennen? Ein Pro und Contra von Daniel Mack und Antje Schrupp
Politische Debatte funktioniert nur mit Gesicht, sagt Daniel Mack, Mitglied der Grünen und Kommunikationsberater, er ist für Klarnamen im Internet. Antje Schrupp plädiert vielmehr dafür, die Moderation in Foren zu stärken und Hasskommentare konsequent zu löschen, die Pflicht zur Offenlegung der Identität könnte vor allem Menschen abschrecken, die gute Gründe haben, anonym zu posten  (Fotos: Pressebild; Burst)
Politische Debatte funktioniert nur mit Gesicht, sagt Daniel Mack, Mitglied der Grünen und Kommunikationsberater, er ist für Klarnamen im Internet. Antje Schrupp plädiert vielmehr dafür, die Moderation in Foren zu stärken und Hasskommentare konsequent zu löschen, die Pflicht zur Offenlegung der Identität könnte vor allem Menschen abschrecken, die gute Gründe haben, anonym zu posten (Fotos: Pressebild; Burst)

Daniel Mack: Ja, das schützt die Demokratie

Egal, über was ich im Internet schreibe – über Freiheit und Demokratie oder meine Liebe zu Europa –, innerhalb von wenigen Minuten erhalte ich dazu Kommentare voller Hass, Hetze und Beleidigungen. Und das ist nur ein Bruchteil dessen, was Angela Merkel, Cem Özdemir oder Christian Lindner erreicht.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 20/2018 vom 26.10.2018, Seite 8
Mensch oder Profit
Mensch oder Profit
Woran die Pflege krankt. Und wie es besser geht

Kommunikation lebt davon, dass man es mit einem persönlich verantwortlichen Gegenüber zu tun hat. Auf einem politischen Plakat oder Flyer müssen eine Adresse und ein Name stehen. Online verhalte ich mich dabei nicht anders als offline, trete mit meinem Namen und Profilbild auf. Viele handhaben das anders. Ihre Profile beinhalten wirre Buchstabenkombinationen, ihre Profilbilder zeigen alles, nur nicht sie selbst. Aber: Politische Debatte funktioniert nur mit Gesicht – im Bierzelt oder im Netz.

Wir müssen aufpassen, dass die digitale Welt die analoge nicht bestimmt. Wir dürfen die Anonymität nicht hochhalten, wenn Organisationen gezielt Hass im Netz verbreiten, mit dem Ziel, unsere liberale Gesellschaft zu zersetzen. Wer sein Gesicht nicht zeigen und seinen Namen nicht nennen mag, dem kann ich nicht trauen und mit dem will ich auch nicht diskutieren.

Ob der Klarname sichtbar sein soll, muss jeder Nutzer selbst entscheiden können. Betreiber von Plattformen wie Facebook, Twitter und Instagram sollten ihn jedoch – gesetzlich vorgeschrieben – kennen müssen. Er sollte Teil einer Mehr-Faktor-Authentifizierung sein, die neben E-Mail, Name, Telefonnummer auch etwa ein Foto des Personalausweises voraussetzt. Diese Daten sind auf richterliche Anordnung schnellstmöglich herauszugeben. Nur mit klaren nachvollziehbaren Regeln können wir die Digitalisierung zur Stärkung unserer Demokratie nutzen. Ansonsten tritt das Gegenteil ein.

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Wolfgang Thierse: Demokratie braucht Mut

Demokratische Geschichte wird von uns allen gemacht. Erzählen wir uns also unsere Geschichten, aus denen wir lernen, dass es um etwas ... /mehr

Antje Schrupp: Nein, das verhindert Hassrede nicht

Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass der Hass und die Brutalität von Kommentaren im Internet erst durch die Anonymität der Absender ermöglicht wird. Die Debatten sind ja bei Facebook, wo man sich als reale Person anmelden muss, kein bisschen besser als bei Twitter, wo es keinerlei Zugangsbeschränkungen gibt.

Der Großteil rassistischer, sexistischer oder generell menschenfeindlicher Beiträge wird von Menschen unter ihren Klarnamen gepostet. Sie wollen sich dadurch ihren ideologischen Communities als zugehörig erweisen. Diese Leute sitzen nicht verschämt vor ihrer Tastatur und tun mit schlechtem Gewissen Dinge, von denen sie wissen, dass sie verboten sind. Die allermeisten verstehen sich als stolze Kämpfer für die ihrer Ansicht nach »natürliche Ordnung der Dinge«. Sie haben eine Mission. Auch wenn es ein Identifizierungsverfahren gäbe, würden sie keine Mühe und Energie scheuen, sie zu erfüllen.

Ich befürchte, dass eine Pflicht zur Offenlegung der eigenen Identität nicht die Hetzer, sondern gerade die anderen, verletzlicheren Stimmen noch mehr zum Verstummen bringen würde. Sie würde vor allem Menschen abschrecken, die vielleicht gute Gründe haben, nur anonym posten zu wollen, damit sie sich nicht mit ihren »Abweichungen« exponieren und damit angreifbar machen. Ich frage: Ist es wirklich eine gute Idee, Informationen über identifizierbare Personen und ihre politischen Ansichten zu sammeln in Zeiten, wo rechtsextreme Kräfte immer mehr Zugang zu Strukturen und Machtpositionen bekommen, etwa über Parteien wie die AfD? Der bessere Weg ist es aus meiner Sicht, genügend Ressourcen und Aufmerksamkeit in die Moderation zu stecken und menschenfeindliche Kommentare konsequent zu löschen.

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