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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2019
Was ist heilig?
Der Inhalt:

Muss Deutschland Reparationen zahlen?

Griechenland hat seine Reparationsforderungen an Deutschland erneuert. Auch andere Länder sehen Deutschland in der Pflicht, Wiedergutmachung für Kriegsverbrechen zu leisten. Ist das gerechtfertigt? Ein Pro und Contra vom griechischen Botschafter Theodoros Daskarolis und dem Historiker Michael Wolffsohn
Griechenland hat während der NS-Zeit schwer unter den Deutschen gelitten, Entschädigungen sind gerechtfertigt, sagt der griechische Botschafter Theodoros Daskarolis (linkes Bild). Der Historiker Michael Wolffsohn meint dagegen, dass es den Ländern, die Reparationen fordern, nur um Geld gehe, nötig wäre aber die Aufarbeitung der Kollaboration in diesen Ländern. (Fotos: pa/Heinrich; www.wolffsohn.de)
Griechenland hat während der NS-Zeit schwer unter den Deutschen gelitten, Entschädigungen sind gerechtfertigt, sagt der griechische Botschafter Theodoros Daskarolis (linkes Bild). Der Historiker Michael Wolffsohn meint dagegen, dass es den Ländern, die Reparationen fordern, nur um Geld gehe, nötig wäre aber die Aufarbeitung der Kollaboration in diesen Ländern. (Fotos: pa/Heinrich; www.wolffsohn.de)

Theodoros Daskarolis: Ja, Kriegsverbrechen verjähren nicht!

Was in Deutschland 1933 nicht geschah, ereignete sich Ende Mai 1941 auf Kreta, wo die gesamte Bevölkerung Widerstand gegen die Nazis leistete. Der Preis, den die Griechen für diesen Widerstand zahlten, war enorm. Vom ersten Tag der deutschen Besatzung an fanden Vergeltungsmaßnahmen und Massenerschießungen statt: Das Dorf Kandanos wurde wortwörtlich dem Erdboden gleichgemacht. Mehr als eine halbe Million Griechen starben durch Erschießungen, Mord, Krankheiten und Hunger – allein daran starben bis zu 400 Menschen täglich. Mehr als 800.000 Menschen erlitten Behinderungen.

Die staatliche und private Infrastruktur wurde fast gänzlich, oft vorsätzlich, zerstört. Der Reichswirtschaftsminister Walther Funk sagte: »Griechenland ist wie kaum ein anderes Land durch den Krieg in Mitleidenschaft gezogen worden.« Es ist ein Skandal, dass die deutsche Besatzungszeit in Griechenland der deutschen Öffentlichkeit immer noch kaum bekannt ist. Die Großzügigkeit der Sieger beim Londoner Schuldenabkommen von 1953 ermöglichte der jungen Bundesrepublik ein rasantes Wachstum, das viel höher war als das der meisten ihrer ehemaligen Kriegsgegner, darunter auch Griechenland. Voraussetzung dafür war, dass Deutschland zu seiner Verantwortung steht, wenn die Folgen des Krieges überwunden sind. Deshalb galt bis 1989 die Devise »es ist noch zu früh«, nach 1990 hieß es jedoch »jetzt ist es zu spät«. Seit 1946 hat Griechenland wiederholt seine Forderungen vorgebracht. Weniger

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