Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 

Zwei Herzen im Havanna-Takt

von Thomas Seiterich 13.02.2016
Am Ende des historischen Treffens von Papst und Patriarch auf Kuba steht die »Erklärung von Havanna«: Franziskus und Kyrill sprachen brüderlich miteinander. Das Dokument jedoch, wochenlang diplomatisch zwischen Rom und Moskau vorbereitet, wird Putin gefallen

Kaum war die Alitalia-Boeing 777 am Freitagmorgen in Rom-Ciampino gestartet, um Papst Franziskus zu seinem Jahrtausendtreffen mit dem russischen Patriarchen Kyrill auf dem Flughafen von Havanna zu bringen, quollen die sozialen Netzwerke auch schon über. Der Kurznachrichtendienst Twitter bietet dazu einen eigenen Service während der Lateinamerikareise des Pontifex.

Als »Bruder« wolle er dem Moskauer Patriarchen begegnen, twitterte der Papst aus dem Flugzeug. Und als er dann nach der Landung im Karibikstaat um 14.25 Ortszeit den Patriarchen auf die Wangen küsst, sagt Franziskus: »Endlich treffen wir uns. Wir sind Brüder«.

Kyrill lässt sich ein auf das hohe Lied der Brüderlichkeit unter den zwei so Verschiedenen. Doch ihm geht es mehr um Verbündung angesichts der Kriege und Christenverfolgungen im Nahen Osten als um die begeisterte, emphatische Brüderlichkeit, auf die der Papst aus Argentinien abhebt.

Brüder oder Verbündete?

Die Gesprächspartner im leicht maroden Flughafengebäude der letzten Karibikdiktatur, das den sozialistischen Charme der 1970er Jahre verströmt, sind sehr verschieden. Sie vertreten höchst unterschiedliche Glaubensperspektiven und Weltsichten. Kyrill gilt als Gefolgsmann des russischen Präsidenten Putin. Dies schlägt sich in der Beschreibung der nahöstlichen Kriegs- und Krisenbedrohungen nieder, die am Ende des Treffens im Zentrum der gemeinsamen Acht-Seiten-Erklärung von Havanna publiziert wird.

Das Leid der Kirchen und der Christen steht stark im Vordergrund – dies ist die Moskauer Sichtweise, die folglich den Kriegsein