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Wir haben uns nicht vereinzeln lassen

vom 14.04.2020
von Dorothee Diehl, Siegen

Am Anfang standen nur große Fragezeichen in meinem Kopf: Wie sollte ich die Kar- und Ostertage gestalten? Ich konnte und wollte mich nicht damit abfinden, mir Gottesdienste aus leeren Kirchen im Fernseher oder auf dem Bildschirm anzusehen. Für mich hat das wenig mit Feier zu tun.

Für Palmsonntag hatte ich nur die Idee einer Radtour zu einer 15 Kilometer entfernten Gemeinde. Da ich dort regelmäßig an einem Gebetskreis teilnehme, bekam ich die Info, dass es dort gesegnete Palmzweige zum Abholen gab. Leider fand ich keinen entsprechenden Hinweis auf der Homepage meiner Heimatgemeinde. Aber das Wetter war ja für eine solche Tour ideal.

Dabei nahm ich auch für eine Freundin einen Zweig mit. Letztes Jahr hatte sie mir einen echten Ölbaumzweig aus Italien mitgebracht, als sie dort ihre Tochter besuchte.

An Gründonnerstag wollte ich Fladenbrot zum Abendessen backen. Aber allein essen? Gründonnerstag ganz allein???? Das passte für mich gar nicht zusammen, und so verabredete ich mich mit dieser Freundin zu einer Agapefeier. Es wurde ein schöner festlicher Abend mit tiefen Gesprächen.

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Am nächsten Tag kam wieder das Fahrrad zum Einsatz: Wir beide fuhren 20 Kilometer zu einer Wallfahrtskapelle beziehungsweise dem dort hinführenden Kreuzweg, den wir gemeinsam gingen und bedachten, mit vielen Bezügen zu aktuellen Ereignissen. Zum Glück war die Kapelle offen und leer, sodass wir dort noch einige Minuten zum Abschluss verweilen konnten. Es folgte eine kurze Pause auf einer Bank am Waldrand mit unserem mitgebrachten Proviant, und dann ging es zurück nach Hause.

Für Ostersonntag hatten wir uns schon um 6.15 Uhr mit unseren Rädern verabredet, um auf einem Berg den Sonnenaufgang zu erleben. Dabei haben wir zwei Lieder gesungen. Nach einer frischen Abfahrt, die uns ziemlich durchfrieren ließ, freuten wir uns auf den heißen Kaffee unseres gemeinsamen Osterfrühstücks.

Nein, wir sind nicht zu Hause geblieben. Nein, wir haben uns nicht vereinzeln lassen. Ja, wir haben Distanz gehalten und diese ungewöhnlichen Festtage mit unseren Möglichkeiten sinnvoll gestaltet.

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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