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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2017
Was heißt Auferstehung?
Ein Gespräch mit dem Schriftsteller Patrick Roth und der Theologin Margareta Gruber
Der Inhalt:

Was heißt Auferstehung?

von Michael Schrom, Anne Strotmann vom 06.04.2017
Ostern ist das zentrale Fest der Christen. Es wird aber – im Unterschied zu Weihnachten – gesellschaftlich immer mehr zu einer Randerscheinung. Woran liegt das? Der Schriftsteller Patrick Roth und die Theologin Margareta Gruber diskutieren leidenschaftlich darüber. Die Titelgeschichte in der neuen Ausgabe von Publik-Forum
Zwei auf dem Weg nach Emmaus, mehr als 2000 Jahre nach Jesu Tod: Margareta Gruber und Patrick Roth. Sie sagt: »Die Auferstehung Jesu war wie ein Meteorit, der in der Geschichte einen Krater hinterlassen hat. Der Sog war so stark, dass viele Jünger glaubten, das Ende der Welt stünde bevor.« Er erwidert: »Die Auferstehung ereignet sich unberechenbar - auch heute, in unserem Alltag - wenn wir sie nur sehen könnten!« (Foto: Pat Meise)
Zwei auf dem Weg nach Emmaus, mehr als 2000 Jahre nach Jesu Tod: Margareta Gruber und Patrick Roth. Sie sagt: »Die Auferstehung Jesu war wie ein Meteorit, der in der Geschichte einen Krater hinterlassen hat. Der Sog war so stark, dass viele Jünger glaubten, das Ende der Welt stünde bevor.« Er erwidert: »Die Auferstehung ereignet sich unberechenbar - auch heute, in unserem Alltag - wenn wir sie nur sehen könnten!« (Foto: Pat Meise)

Publik-Forum: Frau Gruber, Herr Roth, Ostern ist das zentrale Fest der Christen, wird aber gesellschaftlich immer mehr zu einer Randerscheinung. Warum?

Patrick Roth: Der Mensch hat seinen Mythos, seinen Mittelpunkt, sein Bezogensein auf ein Unendliches und damit seinen höchsten Wert verloren. Und er hält es nicht einmal für sinnvoll, solchem Verlust nachzuforschen. Auch die Kunst wagt es nicht mehr, den Sinn herauszuarbeiten, geschweige denn ein transzendentes Phänomen wie »Auferstehung« zu thematisieren. Das wäre ja höchster, Ich und Ratio übersteigender, verpflichtender Sinn. Es herrscht letztlich eine rational-materialistische, seelentötende Sichtweise. Dabei müssten wir uns dringend fragen, wie der Mensch wieder Zugang zu den Tiefenschichten seiner Psyche finden kann.

Und das könnten die biblischen Bilder von Auferstehung leisten?

Roth: Der Psychoanalytiker C. G. Jung war der Ansicht, dass ohne eingehende Lektüre der Bibel ein Verständnis der Psyche unmöglich ist – unser Leben, unsere Sprache und Bilder bauen auf ihr auf, auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Es ist ja paradox: Unbewusst suchen die Menschen unablässig nach Sinn – mit Psalm 63 müsste man sagen: »Uns dürstet.« Zugleich wird uns von überallher gesagt: »Es gibt kein Wasser.« Es ist aber umgekehrt. Die Tatsache, dass uns dürstet, beweist, dass es »Wasser« gibt. Man müsste also zeigen, wo das Wasser zu finden ist. Dazu bedarf es der Erfahrung, dass die biblischen Bilder lebendig sind – tief in uns. Im Traum zum Beispiel, aus dem, sobald seine Bilder verstanden sind, Sinn auferstehen und wie »lebendiges Wasser« auf uns wirken kann.

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