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Rom räumt auf: Nonnen abgestraft

von Barbara Jentzsch vom 27.04.2012
Der Vatikan diszipliniert Amerikas Ordensschwestern. Sie seien zu politisch, zu feministisch, zu ungehorsam. Damit meint er in Wahrheit alle Frauen

Angesichts der aktuellen Missbrauchs-Prozesse in Pennsylvania, Missouri und West Virginia sollte man denken, dass Rom ein Problem mit den amerikanischen Bischöfen hat. Weit gefehlt. Es sind Amerikas Nonnen, die den Vatikan vergrätzen. Insbesondere ihr ungenügend gehorsamer, von der reinen Lehre abweichender Dachverband. Und dem geht es jetzt an den Kragen.

Zwei Jahre lang hat sich die Leadership Conference of Women Religious (LCWR), die mehr als 80 Prozent der rund 57 000 US-Ordensschwestern repräsentiert, einer »Visitation« unterziehen müssen. Am 18. April - nur wenige Stunden nachdem die nach Rom gereiste LCWR-Führung das achtseitige Dokument zu Gesicht bekommen hatte - verbreitete die US-amerikanische katholische Bischofskonferenz in Washington das weltweit für Schock und Aufruhr sorgende Ergebnis der Inquisition: Amerikas Nonnen wird zwar verdienstvolle karitative Arbeit bescheinigt. Auch ihr Einsatz in katholischen Schulen und Krankenhäusern erntet Wohlgefallen. Doch dem Lob folgt das Strafgericht: Rom geht das soziale Engagement der Schwestern entschieden zu weit. Ihre betonte Hinwendung zur »social Gospel« habe zur Vernachlässigung anderer (römischer) Prioritäten geführt. Die Nonnen würden sich nicht vernehmlich genug gegen Abtreibung, Homo-Ehe und die Ordination von Frauen aussprechen. Verschiedene Ordensschwestern hätten Erklärungen abgegeben, die Positionen der Bischöfe hinterfragten oder gar widersprächen. Und bei manchen Gelegenheiten hätten Rednerinnen auf LCWR-Konferenzen einen »gewissen, radikalen - mit dem katholischen Glauben unvereinbare

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