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Religion ohne Mitleid

von Eva-Maria Lerch vom 18.01.2013
In Köln wird eine junge Frau betäubt und vergewaltigt. Sie sucht Hilfe in einer katholischen Klinik. Doch die lehnt die Behandlung ab. Ein Kommentar von Eva Baumann-Lerch
Das Eingangsportal des St. Vinzenz-Hospitals in Köln: Das katholische Krankenhaus wies ein Vergewaltigungsopfer ab;  ebenso tat es ein weiteres katholisches Krankenhaus der Stadt. Man wollte der Frau nicht die in solchen Fällen übliche »Pille danach« geben, weil sie nach strenger katholischer Lehre einer Abtreibung gleichkommt. (Foto: pa/Kaiser)
Das Eingangsportal des St. Vinzenz-Hospitals in Köln: Das katholische Krankenhaus wies ein Vergewaltigungsopfer ab; ebenso tat es ein weiteres katholisches Krankenhaus der Stadt. Man wollte der Frau nicht die in solchen Fällen übliche »Pille danach« geben, weil sie nach strenger katholischer Lehre einer Abtreibung gleichkommt. (Foto: pa/Kaiser)

Ein Mensch liegt hilflos und verletzt auf der Straße, misshandelt und halb tot. Da kommt ein Priester, doch er geht an dem Opfer vorbei. Auch ein Tempeldiener ignoriert den Verletzten, weil er um seine rituelle Reinheit fürchtet. Christen kennen die Geschichte als Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Doch dasselbe geschah diese Woche in Köln.

Das Opfer ist eine 25-jährige Frau, die offensichtlich mit K.O.-Tropfen betäubt, vergewaltigt und auf die andere Rheinseite verschleppt wurde. Dort wachte sie verstört auf einer Parkbank auf. Nach der Tat wandte die Frau sich an das katholische St.-Vinzenz-Hospital – und wurde abgewiesen. Das Krankenhaus erklärte, es könne keine Untersuchungen nach sexuellen Übergriffen mehr durchführen. Seit zwei Monaten gebe es eine entsprechende Weisung. Schließlich müsse man bei einer solchen Untersuchung auch über eine mögliche Schwangerschaft, einen Abbruch und die »Pille danach« sprechen. Das aber sei mit den Grundsätzen der katholischen Kirche nicht vereinbar. Mit der gleichen Begründung lehnte auch das Heilig-Geist-Krankenhaus die Behandlung ab.

Nachdem der Fall an die Öffentlichkeit kam, bemühte sich die katholische Kirche um Schadensbegrenzung: Es habe sich um ein »Missverständnis« gehandelt, ließ das Erzbistum Köln verlauten. Selbstverständlich dürften Vergewaltigungsopfer in katholischen Kliniken behandelt werden. Nur die »Pille danach« könne hier nicht verabreicht werden, weil es sich dabei um eine Abtreibungspille handele. Die beiden Klinik erklärten, sie hätten einen Fehler begangen und entschuldigten sich.

Die Kirche beharrt auf ihrer Reinheit – un

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