Zur mobilen Webseite zurückkehren

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 

Missglücktes Gespräch über Eucharistie

von Thomas Seiterich 27.03.2019
In der »Ravensburger Erklärung« haben sich Katholiken und Protestanten 2017 gegenseitig zu Kommunion und Abendmahl eingeladen. Jetzt kam Bischof Gebhard Fürst in die Stadt, um darüber zu diskutieren. Mehr als 400 Menschen verfolgten das Gespräch. Wer auf mehr Ökumene gehofft hatte, wurde enttäuscht
Eine katholische Eucharistiefeier: Protestanten sind bisher nur in Ausnahmefällen eingeladen, viele Katholiken und Protestanten wünschen sich dagegen ein gemeinsames Abendmahl (Foto: Godong / Alamy Stock Photo)
Eine katholische Eucharistiefeier: Protestanten sind bisher nur in Ausnahmefällen eingeladen, viele Katholiken und Protestanten wünschen sich dagegen ein gemeinsames Abendmahl (Foto: Godong / Alamy Stock Photo)

Bischof Fürst von der Diözese Rottenburg-Stuttgart machte klar, dass er auch heute nicht bereit ist, die Ravensburger Erklärung zu unterstützen. Zwar seien sich »die katholische und die evangelische Kirche in vielem einig«, sagte er am Montagabend vor rund 450 Menschen im voll besetzten Schwörsaal in Ravensburg, »aber wir sind trotzdem noch nicht in Kirchengemeinschaft zwischen beiden Konfessionen, und das ist nach unserem Verständnis notwendig, weil man nicht immer nur als Individueller die Gaben empfängt, sondern in der Gemeinschaft, die von einem bestimmten Glauben getragen ist.«

Zwei Welten prallen aufeinander

Die »Ravensburger Erklärung« war im Oktober 2017, im Martin-Luther-Jahr, von den Geistlichen der evangelischen und der katholischen Kirche in Ravensburg, dem Oberbürgermeister sowie von vielen hundert Christinnen und Christen beider Konfessionen unterzeichnet worden.

Dies geschah nach einer großen ökumenischen Mahlfeier, bei der Tische und Bänke quer durch die Stadt aufgereiht waren, von der evangelischen Stadtkirche bis zur katholischen Liebfrauenkirche. Die Ravensburger Erklärung war zuvor vom ökumenischen Arbeitskreis »Kirche lädt ein« in vielen Monaten theologisch erarbeitet worden. Der prägnant formulierte Text »Gemeinsam an einem Tisch« spricht sich unter anderem für eine wechselseitige Einladung der evangelischen und katholischen Christen zu Abendmahl und Eucharistie aus.

Im bischöflichen Rottenburg herrschte zu diesem bemerkenswerten Vorgang Stille, ein ganzes Jahr lang. Kein Wunder. Bischof Fürst, ein in vielen Kirchenfragen aufgeschlossener und leutseliger 70-Jähriger, wollte sich bei der engagierten Kirchenbasis nicht in die Nesseln setzen. Ravensburg galt in der Kirchenleitung ohnehin als komplizierter Fall, denn von Reformationszeiten an bis heute pflegen die Bürger der oberschwäbischen Stadt ihre »Parität«. Dies bedeutet das freundliche, ja geschwisterliche Miteinander von Protestanten und Katholiken in enger Nachbarschaft.

Im Oktober 2018 schließlich erklärte einer der Unterzeichner, der katholische Ravensburger Pfarrer Hermann Riedle, der Passus mit der Einladung zu Abendmahl und Eucharistie sei vom Bischof verboten worden, denn die katholische Lehre beinhalte eine Einladung an Protestanten zur Eucharistie nur in »Notfällen« und in »Ausnahmen«. Pfarrer Riedle handelte unter Druck. Er war zuvor zu einem »Dienstgespräch« mit Bischof Fürst von der Diözese Rottenburg-Stuttgart nach Rottenburg zitiert worden.

Zwei Welten

In Erwartung eines nicht einfachen »Auswärtsspiels« handelte die Kirchenleitung am vergangenen Montag wie ein Hausherr. Bischof Fürst stand vorne, in den ersten Reihen saßen Mitarbeiter von der »Stabsstelle Öffentlichkeit« der Diözese. Die örtlichen Ökumeniker durften aus dem Publikum heraus Fragen stellen, die dann von Kirchenangestellten gewichtet, sortiert und vorgetragen wurden. Keine Sprechzeit gab es für einen Vertreter oder eine Vertreterin der evangelischen Kirche. Seltsam!

Anzeige

Meine Farben. Des Herzens Flammenglut

Es sind die Farben, mit denen wir Gefühle am besten mitteilen können. Wir sehen Rot vor Wut und werden gelb vor Neid. Und das Glück strahlt. . Was ist die Farbe des Lebens selbst? ... /mehr

Immerhin, rund 20 Minuten lang kam zu Beginn des Abends der Arbeitskreis Ökumene zu Wort. Die Frauen und Männer hatten eine Slideshow mit Bildern über ihren Ravensburger Weg der Ökumene seit dem örtlichen »Konzil« 2013 vorbereitet. Bischof Fürst dankte ihnen kurz – und sprach dann mehr als eine halbe Stunde lang über sein Glaubensverständnis der Eucharistie, das dem der katholischen Kirche entspricht. Die 450 Bürger im Saal hörten aufmerksam zu. Es ist ein kostbarer Moment, wenn so viele Menschen ihre Aufmerksamkeit solch einer nur selten besprochenen, theologischen Frage schenken.

Das Thema brennt vielen Menschen auf den Nägeln. Das hat auch die Petition »Keine Ausgrenzung am Tisch des Herrn!« verdeutlicht, die Publik-Forum im vergangenen Jahr gestartet hatte. Mehr als 22.000 Menschen haben sie unterschrieben und die Forderung nach einem gemeinsamen Abendmahl, besonders die Zulassung von evangelischen Ehepartnern zur katholischen Kommunion, unterstützt. In vielen Briefen haben Gläubige deutlich gemacht, wie wichtig ihnen eine Änderung der ablehnenden katholischen Haltung ist.

Fürst betonte zwar das Miteinander zwischen lutherischen Protestanten und Katholiken – »beide glauben wir an die Realpräsenz Jesu Christi in Wein und Brot«. Doch die Unterschiede im Verständnis sind für ihn dennoch zu gravierend.

Deshalb kam es in Ravensburg auch nicht zu einem geglückten Dialog zwischen Menschen von heute, die die Verehrung von Eucharistie und Abendmahl bindend mit ihrer persönlichen, individuellen Erfahrung verknüpfen – und dem Vertreter der Amts- und Bischofskirche, der beredt die tradierte Lehre der Eucharistie seit den Theologen des Mittelalters darlegte.

Es war ein Abend, der nicht zu einem echten Gespräch führte, sondern einem Monolog nahekam. Am Ende fuhren die Rottenburger wieder weg. Und viele der Ökumenikerinnen und Ökumeniker in Ravensburg hatten Tränen der Enttäuschung in den Augen.

Kommentare
Ihr Kommentar
Noch 1000 Zeichen
Wenn Sie auf "Absenden" klicken, wird Ihr Kommentar ohne weitere Bestätigung an Publik-Forum.de verschickt. Sie erhalten per E-Mail nochmals eine Bestätigung. Der Kommentar wird veröffentlicht, sobald die Redaktion ihn freigeschaltet hat. Auch hierzu erhalten Sie ein E-Mail. Siehe dazu auch Datenschutzerklärung.

Mit Absenden des Kommentars stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten zur Bearbeitung des Kommentars zu. Zum Text Ihres Kommentars wird auch Ihr Name gespeichert und veröffentlicht. Die E-Mail-Adresse wird für die Bestätigung der Bearbeitung genutzt. Dieser Einwilligung können Sie jederzeit widersprechen. Senden Sie dazu eine E-Mail an [email protected].

Jeder Artikel kann vom Tag seiner Veröffentlichung an zwei Wochen lang kommentiert werden. Publik-Forum.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus anderen Gründen inakzeptabele Beiträge nicht zu publizieren. Siehe dazu auch Netiquette.
Hanna Leinemann
19.04.201910:50
Im Großen wie im Kleinen: "Ich lade Dich ein zu einem Abendmahl in meine (kath.) Kirche" - "Gern, und Du kommst mit in meine (evangel.) Kirche" - "Nein; das mußt Du verstehen, den Schritt zurück will ich nicht gehen, aber ich ermögliche Dir den Schritt voraus" - so habe ich (evangelisch) es erlebt und bin bis heute traurig darüber, wie ein Mensch, der alle Menschen als gleich ansieht, sich selbst als höher auf einer Hierarchieleiter betrachtet. - Im übrigen zieht sich diese Grundhaltung auch durch das Interview mit Annegret Kramp-Karrenbauer. - Karfridays for future. -
Bernhard Ferber
06.04.201900:30
Das ist typisch, dass der Mediendirektor nichts Wesentliches zu diesem Artikel beizutragen hat. Lieber eröffnet er einen Nebenkriegsschauplatz. Die Vertreter der katholischen Kirche sind schon immer Weltmeister gewesen im Beharren auf Nebensächlichkeiten. Angstgesteuerte, kleingläubige Pharisäer.
Thomas Brandl
29.03.201911:57
@Thomas Seiterich
also, ich weiß nicht, ob man aus - übrigens nicht von uns, sondern von den örtlichen Organisatoren - bedruckten Blättern mit der Aufschrift Stabsstelle Mediale Kommunikation ableiten darf, dass meine Mitarbeiter die ersten Reihen belegt hätten. Dort saßen Journalisten, die Plätze waren für sie reserviert.Ihre entsprechende Aussage bleibt leider deshalb genauso falsch, wie sie vorher war. Hätten Sie uns gefragt, hätten wir das sehr schnell richtigstellen können. Vielleicht beim nächsten Mal? BG, Thomas Brandl
Thomas Seiterich
28.03.201916:42
@Thomas Brandl
Vorne im Schwörsaal war bei der Veranstaltung mit Bischof Gebhard Fürst eine Anzahl von Plätzen mit bedruckten weißen Blättern belegt, sie waren für Mitarbeiter der Stabsstelle Öffentlichkeit in Rottenburg reserviert.
Dr. Thomas Seiterich, Publik-Forum
Paul Haverkamp
28.03.201914:48
Die kath. Amtskirche liefert mit dieser Veranstaltung erneut den Beweis dafür, dass sie nicht bereit ist, die „Zeichen der Zeit“ zu erkennen. Ihre Verweigerungshaltung in Sachen gemeinsamer Eucharistie ist geprägt von Macht- und Herrschaftsansprüchen und kann für sich keinerlei jesuanische Legitimation in Anspruch nehmen. Jesus hat immer wieder alle Menschen an seinen Tisch geladen – ohne Rückfragen zu Geschlecht, Hautfarbe, Bekenntnis oder sozialer Rangstellung.

Die Haltung Fürsts liefert ein erneutes Beispiel dafür, wie notwendig strukturelle Reformen in der kath. Kirche notwendig sind. Doch diese strukturellen Reformen kratzen an der Machtdominanz einer androzentrisch strukturierten Kirche, die sich immer öfter nur mit einer Selbstvergöttlichung den irdischen Notwendigkeiten zu entziehen versucht. Und diese ird. Notwendigk. müssen als Markenkern die Diakonie pflegen – hinter der alle anderen Aufgaben zurückstehen müssen. Menschendienst ist Gottesdienst und umgekehrt.
Thomas Brandl
27.03.201920:48
Sehr geehrter Herr Seiterich,
selbstverständlich respektiere ich Ihre Bewertung des Abends im Ravensburger Schwörsaal - aber als gelernter Journalist, der in seiner Ausbildung mal auf Wahrheit und Klarheit getrimmt wurde, kann ich über Ihre Aussage, in "den ersten Reihen saßen Mitarbeiter der Stabsstelle Öffentlichkeit" nur entsetzt den Kopf schütteln... Sie ist leider komplett falsch. Abgesehen davon, dass die Stabsstelle, die ich leite, den Namen "Mediale Kommunikation" trägt, saß ein einziger meiner Kollegen im Auditorium, um sich als Ansprechpartner um die zahlreich anwesenden Journalisten zu kümmern. Zwei Kolleginnen haben unseren Videobeitrag über den Abend gedreht, mein Stellvertreter Tobias Döpker und ich standen als Gäste ganz hinten im Saal. Soviel zur Realität. Auch wenn sie vielleicht nicht so ganz zum von Ihnen gezeichneten Bild passt. Wie war das doch nochmal mit der journalistischen Sorgfaltspflicht...? BG, Thomas Brandl, Mediendirektor Diözese Rottenburg-Stuttg