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vom 31.03.2020
von Sophie Kosanke, Düren

Meine Lieben,

eben habe ich meinen Spaziergang im Garten gemacht. Die Sonne scheint. Aber es ist ein lausig kalter Wind. Trotz des Wintermantels mit Pelzkragen bin ich schnell wieder ins Haus.

Ein ganzer Berg Post wartet aufs Beantworten. Da kam mir die Idee, einen Rundbrief zu schreiben. Das ist für meine Hand besser und geht, aufs Ganze gesehen, schneller.

In diesen »Coronatagen« ist mir klar geworden, dass es voraussichtlich nicht zu dem geplanten großen Geburtstagsfest im Juno kommen wird. Gottlob ist alles, was wir schon angedacht haben, haltbar. Trotzdem kann ich noch etwas vorbereiten, was später genutzt werden kann. So ganz untätig sein kann ich schlecht. Immer nur vorm TV sitzen ist auch nicht meins. Aber im Bücherschrank steht einiges, das sich lohnt, ein zweites Mal gelesen zu werden. Also mache ich mich ans Werk.

Eben kam ein Anruf von Elisabeth: P. ist mit Lungenentzündung ins Krankenhaus. Seit Wochen kann Elisabeth ja schon nicht mehr zu ihm ins Pflegeheim. Für beide Seiten schwer. Wir werden ein Licht anzünden und hoffen.

Was mag Corona uns noch an Überraschungen bringen? Es ist eine größere Unsicherheit als im Krieg: Es mag auch sein, dass man im Alter und nach den unfassbar vielen friedlichen Jahren die Bedrohung anders wahrnimmt. Im Krieg waren Schwierigkeiten zum Greifen nahe. Corona ist eine ähnliche Gefahr wie Verstrahlung. Nicht wahrnehmbar – aber da.

Und welch tolle Sache ist das Telefonieren mit Bild! Auch das ist ein großer Unterschied. Die Nachrichten sind schnell da. Keine Sorgen über Monate oder Jahre.

Wenn ich auf mein Leben zurücksehe, dann sage ich: »Es war kein leichtes Leben – aber ein erfülltes Leben.«

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Und wie viel Freude hatten wir mit unsern Kindern, Enkeln und jetzt mit den Urenkeln, eine ganz neue Ebene. – Und welch eine finanzielle Sicherheit. Ein Grund mehr, Gott zu danken. Im Hinterkopf immer, dass es auch andere Zeiten gab.

Da bin ich ganz schön »vom Hölzchen aufs Stöckchen« gekommen.

Ich wünsche uns allen, dass wir diese Zeit gut überstehen und wir dann das geplante Fest feiern.

Liebe Grüße Euch!

Mama, Oma und Uroma Sophie (92 Jahre)

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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