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vom 02.07.2020
von Hugh Williamson, Berlin

Ich habe während der Pandemie als Freiwilliger in meiner örtlichen Kirche, der Apostel-Paulus-Kirche in Schöneberg, Berlin, ausgeholfen. Die Freiwilligen halten die Kirche tagsüber offen, damit die Leute einen ruhigen Moment finden können oder eine Kerze anzünden.

Die Erfahrung hat mir auch geholfen. Ich freue mich auf die Gelegenheit, ruhig zu sitzen, nachzudenken, Zeit zu haben, um die schöne Architektur und die Buntglasfenster zu genießen. Und ich fühle mich nützlich und engagiert in meiner Gemeinde.

Meine Schicht alle zwei Wochen hilft mir, auch die Zeit in der Pandemie besser zu verstehen. In den ersten April-Tagen war die Kirche der einzige öffentlich zugängliche Ort. Die Menschen kamen zu Dutzenden und genossen diese bescheidene, aber wertvolle Freiheit. Einige blieben ein paar Minuten, andere viel länger.

Im Mai sang ein Besucher sehr schön. Ein anderer weinte und erzählte mir, er sei bewegt von der Erfahrung, zum ersten Mal seit 35 Jahren in der Kirche zu sein. An Himmelfahrt installierte eine Pfarrerin eine Kunstausstellung über den Himmel und ließ lange, weiße Papierbänder von der hohen Decke fallen.

Eine ungewöhnliche Konstante: der Tisch mit Laptops und Mischpulten in der Nähe des Altars, die Hardware hinter den gestreamten Gottesdiensten, die ich zu Hause gesehen habe.

Als ich mich das letzte Mal Ende Juni der Kirche näherte, sah ich die Pfarrerin, die die Stufen am Eingang fegte. Das Sommerwetter und das Ende des Lockdowns haben die Rasenfläche vor der Kirche zu einem Treffpunkt für junge Leute gemacht. Es ist schön zu sehen, wie die Gegend wieder zum Leben erweckt wird (die Bierflaschen und Zigarettenkippen weniger). Ich nahm den Besen und fegte den Rest.

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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