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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2019
Respekt. Vertrauen. Versöhnung
Was der Mensch zum Leben braucht
Der Inhalt:

Jürgen Moltmann: Mein Freund Johann Baptist Metz

von Jürgen Moltmann vom 19.12.2019
Erinnerung an eine große, ehrliche Freundschaft. Zum Tod von Johann Baptist Metz
 Sprach- und wirkmächtige Theologinnen und Theologen: Jürgen Moltmann (links), Dorothee Sölle, Norbert Greinacher, Elisabeth Moltmann-Wendel und Johann Baptist Metz 1996 in Tübingen (Foto: epd/Lohnes)
Sprach- und wirkmächtige Theologinnen und Theologen: Jürgen Moltmann (links), Dorothee Sölle, Norbert Greinacher, Elisabeth Moltmann-Wendel und Johann Baptist Metz 1996 in Tübingen (Foto: epd/Lohnes)

Mit Johann Baptist Metz, der am 2. Dezember verstorben ist, verband mich eine theologische und persönliche Freundschaft mit Zuneigung und Respekt. Es war eine ehrliche Freundschaft, und sie währte über fünfzig Jahre. Es begann damit, dass sich zwei Texte begegneten: In dem von Siegfried Unseld herausgegebenen Band »Ernst Bloch zu ehren« (Suhrkamp 1965) erschien von Metz der Beitrag »Gott vor uns« und von mir »Die Kategorie Novum in der christlichen Theologie«. Persönlich sind wir uns erst 1967 auf Blochs Geburtstag in Tübingen begegnet: Wir begrüßten Ernst Bloch gemeinsam und aßen hinterher zusammen.

Wenige Wochen danach sahen wir uns wieder auf dem berühmten christlich-marxistischen Dialog in Marienbad, in der damaligen CSSR. Metz stellte drei Diskussionsthesen zur »Politischen Theologie« vor: »Die Hoffnung, die die Kirche verkündet, ist nicht die Hoffnung auf die christliche Religion, sondern auf das Reich Gottes als Zukunft der Welt.« Metz vollzog nach der »anthropologischen Wende« seines Lehrers und Freundes Karl Rahner seine »eschatologische Wende«. (Eschatologie: Lehre von den letzten Dingen, Anm. d. Red.) Jedenfalls gewann er mich mit dem Satz: »Nur im eschatologischen Horizont erscheint die Welt als Geschichte«, und ich stimmte gern zu: »Jede eschatologische Theologie muss zu einer politischen Theologie als einer gesellschaftskritischen Theologie werden.« Die »Marienbader Protokolle« erzählen von der Hoffnung auf eine Vereinigung Europas kraft des tschechischen »Sozialismus mit dem menschlichen Gesicht«. Doch diese Hoffnung wurde von sowjetischen Panzern in Prag Ende August 1968 niedergewalzt. Die Sowjetunion starb 21 Jahre später.

Aber Baptist Metz hatte noch etwas anderes in Marienbad gesagt,

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