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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2017
Der große Schwund
Warum so viele Insekten und Vögel sterben
Der Inhalt:
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Letzte Fragen

von Birgit-Sara Fabianek vom 23.11.2017
Heute entscheidet jeder selbst, wo und wie er eines Tages seine letzte Ruhe finden will. Über den Wandel der Bestattungskultur in Deutschland
Ein Gotteshaus für die Toten: In der umgewidmete Kirche St. Josef in Aachen werden heute Urnen beigesetzt (Foto: pa/Carstensen)
Ein Gotteshaus für die Toten: In der umgewidmete Kirche St. Josef in Aachen werden heute Urnen beigesetzt (Foto: pa/Carstensen)

»O Herr, gib jedem seinen eignen Tod.« Rainer Maria Rilke

Allerheiligen. Die Familie ist aus der Ferne angereist, um Großeltern, Tante und Urgroßeltern auf dem Friedhof zu besuchen. Mein zehnjähriger Neffe rennt zu den Gräbern und überprüft, auf wessen Ruhestätte die meisten Lichter brennen. »Sechs bei Opa!«, ruft er und düst weiter. Es wird langsam dunkel, wir schlendern von Grab zu Grab, entzünden Kerzen und beten für jeden Verwandten ein Vaterunser. Wir alle mögen dieses Ritual. Jedenfalls einmal im Jahr. Meiner Tochter, 21, geht ein Besuch besonders nach: »Also, ich möchte später auf keinen Fall wie Tante Ulla in einem Grab versauern, um das sich niemand kümmert«, sagt sie empört, »da liege ich lieber unter einem Baum statt auf dem Friedhof!« Dann hakt sie nach: »Und du, Oma?« Für meine Mutter ist die Sache klar: Ihr Sarg kommt einmal ins Familiengrab, neben meinen Vater, auf den Friedhof neben der Kirche. »So wie es sich gehört.« Auch wenn niemand mehr in der Nähe wohnt, um sich eines Tages darum zu kümmern.

Rascher Wandel

Wie man bestattet und trauert, war lange durch Tradition und Religion vorgegeben, es gab wenig Anlass für Diskussionen. Doch diese Zeit ist vorbei. Die Bestattungskultur ändert sich in Deutschland schneller als je zuvor in der Geschichte. Innerhalb einer einzigen Generation haben sich die Bestattungsformen verflüssigt und um viele Optionen erweitert. Was sich gehört und was nicht, liegt immer häufiger im Auge des Betrachters. Auslöser gibt es viele, die Zerstreuung der Familie durch die wachsende Mobilität ist einer davon. Auch das Single-Dasein als Lebensform macht Familiengräber überflüssi

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