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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2017
Der große Schwund
Warum so viele Insekten und Vögel sterben
Der Inhalt:

Gott führt nicht in Versuchung!

Schweizer Bischöfe ändern das Vaterunser. Auch in Deutschland ist das an der Zeit. Ein Zwischenruf

Die katholischen Bischöfe in der französischsprachigen Schweiz haben eine neue Übersetzung der letzten Vaterunserbitte in die Liturgie eingeführt: Anstelle von »et ne nous soumets pas à la tentation« – und unterwirf uns nicht der Versuchung – wird künftig gebetet: »et ne nous laisse pas entrer en tentation« – und lass uns nicht in Versuchung geraten. War das wirklich nötig? Ich glaube, ja.

Das Vaterunser, das Jesus laut Matthäus- und Lukasevangelium selbst gelehrt hat, ist nicht nur das erste Gebet der Christen. Es ist auch das einzige, das alle Getauften gleichermaßen beten; Es gibt kaum einen Christen, der es nicht auswendig kennt. Im Lukasevangelium (11, 1) heißt es, Jesus habe es seinen Jüngerinnen und Jüngern gegeben, nachdem diese ihn baten: »Herr, lehre uns beten.« Das Vaterunser erzählt von Jesu Gottesbild, es spiegelt so die christliche Wahrnehmung Gottes und führt zum eigenen Gebet, das mehr sein soll als Formel und Zitat. Gerade davor hat Jesus seine Jünger ja ausdrücklich gewarnt: »Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden ...« (Matthäus 6, 7)

Nicht Worte zählen, sondern die innere Zuwendung zu Gott als Vater, der »weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet«. Deshalb ist das Vaterunser viel mehr als eine Tradition, an der, einmal übersetzt, nicht mehr zu rütteln ist. Aber wie sollen zum Beispiel junge Christen lernen, Gott vertrauensvoll als Vater anzusprechen, wenn eine Formulierung in diesem zentralen Gebet eine offene Glaubenshaltung verengt? Tatsache ist, dass nicht wenige Christen über die letzte Bitte stolpern: »Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.« Mit dieser Formulierung, so empfinden sie es, unterstelle ich Gott, dass er mir Böses t