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Klage einer blau-weißen Maske

vom 21.09.2020
von Urte Zell

Jetzt liege ich hier schon seit vielen Tagen auf dem Gehweg.
Achtlos weggeworfen. In den Dreck. Dem Wetter schutzlos preisgegeben.
Sand klebt auf meiner weißen Innenseite. Ich fühle mich beschmutzt.
Warum geht man so mit mir um?
Ich habe meinen Träger beschützt und besonders auch alle anderen, die ihm nahe gekommen sind. Dabei musste ich immer seinen feucht-warmen Atem aushalten. Das war überhaupt nicht angenehm.
Aber im Dienst an der Sache, genauer im Dienst an den Menschen habe ich das ertragen. Im Kampf gegen Corona bin ich sehr wichtig. Nicht umsonst gibt es in vielen Bereichen eine Maskenpflicht.
Man braucht mich also!
Und jetzt liege ich hier im Dreck. Hunde schnuppern an mir herum, Menschen gehen achtlos vorbei.
Das wird meiner Bedeutung nicht gerecht.
Nur weil ich so schlicht aussehe, werde ich nicht wirklich geachtet. Vielleicht bin ich auch zu billig?
Sonst würde man mich doch nicht so respektlos auf die Straße schmeißen.
Wie wird es nun für mich weitergehen?
Was ist, wenn es regnet? Wenn es stürmt?
Das ist eine schreckliche Vorstellung!
Warum hebt mich niemand auf? Erkennt trotz des Schmutzes meine schlichte Schönheit und wäscht mich.
Wäscht mich gründlich, legt mich zum Trocknen in die Sonne und gibt mir dann einen gebührenden Platz.
Vielleicht trägt mein Retter mich sogar wieder. Ich hätte dann wieder eine Aufgabe, könnte schützen und beschützen.

Das wäre am schönsten!

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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