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Kirchen wollen mehr Klimaschutz

von Markus Dobstadt 13.03.2019
Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland hat eine Petition für ein generelles Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf deutschen Autobahnen gestartet. Evangelische Kirchen und katholische Bistümer rufen zum Klimafasten auf
Maximal 130 km auf deutschen Autobahnen: Für diese klimafreundliche Änderung macht sich die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland stark. (Foto: pa/Büttner)
Maximal 130 km auf deutschen Autobahnen: Für diese klimafreundliche Änderung macht sich die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland stark. (Foto: pa/Büttner)

Die vergangenen vier Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, der jüngste Sommer brachte laut dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung Wetterextreme »auf der gesamten Nordhalbkugel«, weltweit registrieren die Forscher vermehrt besondere Wetterlagen – entweder Rekordniederschläge oder extreme Trockenheit. Das Klima verändert sich rasant. Und in der Zivilgesellschaft wächst das Unbehagen, weil die Politik zu wenig dagegen unternimmt.

Seit Wochen fordert die Schüler-Initiative Fridays for Future mehr Anstrengungen beim Klimaschutz. Für den 15. März rufen die Schüler weltweit zu Protesten auf. Auch in vielen deutschen Städten werden Demonstrationen vorbereitet.

Bereits mehr als 14.000 Unterschriften

Dass aber eine evangelische Landeskirche eine Petition startet, um den Klimaschutz voranzubringen, ist bisher ungewöhnlich. Die mitteldeutsche Kirche, überwiegend in Teilen Sachsen-Anhalts und Thüringens beheimatet, will mit dem Vorstoß für das Tempolimit einen Beitrag zum Klimaschutz, zur Verkehrssicherheit und zu weniger Staus und Stress im Verkehr geben. Das Tempolimit sei ein sofort umsetzbarer und kostenloser Beitrag zum Klimaschutz, sagt Oberkirchenrat Christian Fuhrmann auf klimareporter.de. Und: »Deutschland ist in der EU das einzige Land ohne Tempolimit.« Angesichts des Klimawandels gehöre die »freie Fahrt für freie Bürger auf den Prüfstand«, schreibt die Kirche in der Begründung der Petition. Der CO2-Ausstoß könne dadurch um rund zwei Millionen Tonnen pro Jahr reduziert, die Zahl der Unfälle deutlich verringert werden, auf einer Versuchsstrecke hätten sie sich halbiert. Dass Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nichts von einem Tempolimit auf Autobahnen hält, ficht die Initiatoren nicht an. Fuhrmann: »Das ist seine Meinung. Wir sehen das anders.«

Bereits mehr als 14.000 Menschen haben die Petition unterzeichnet. Gerichtet ist sie an den Deutschen Bundestag. Sie läuft noch bis zum 3. April. Wenn in den kommenden drei Wochen insgesamt 50.000 Unterschriften zusammenkommen, muss es eine öffentliche Anhörung geben. Die evangelische Kirche will eine Debatte anstoßen: »Ohne Änderungen unseres Lebensstils werden wir kaum die globale Bedrohung abwenden können«, die die Erderwärmung bedeute, schreibt sie in der Petition. Sie greift damit eine Forderung auf, die auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken bereits seit Langem erhebt. In seiner Erklärung »Schöpfungsverantwortung wahrnehmen – jetzt handeln!« hatte es schon 2008 ein Tempolimit auf Autobahnen von 120 Stundenkilometern verlangt.

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Die Petition der Mitteldeutschen Kirche ist aber auch aktuell nicht die einzige Aktion der Kirchen zum Thema Klima. Wie die Petition wurde am Aschermittwoch die»Fastenaktion für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit« gestartet. Elf evangelische Landeskirchen und drei katholische Bistümer machen mit.

Heilsamer Klimaschutz

Die Aktion zur Fastenzeit ruft dazu auf, »Überflüssiges über Bord zu werfen und damit auch das Klima zu schützen«. Über sieben Wochen hinweg werden Anregungen gegeben, »wie Sie anders einkaufen, unterwegs sein, weniger Energie verbrauchen und kochen können, um so einen Beitrag zur Verkleinerung Ihres ökologischen Fußabdrucks und zur Bewahrung der Schöpfung zu leisten«. Eine Fastenbroschüre widmet sich jede Woche einem anderen Thema: »Eine Woche Zeit für mich und meine Mitgeschöpfe«, hieß es zum Start. »Eine Woche Zeit für meinen Energiehaushalt« ist das Thema in der zweiten Woche.

Aber sollen sich die Kirchen überhaupt für Klimaschutz engagieren? Hat das etwas mit Religion zu tun? Auf alle Fälle! Denn zum einen ist die Schöpfung durch die rasante Klimaveränderung ernsthaft bedroht. Zum zweiten geht es den Kirchen um das Heil jedes einzelnen, und zwar im Hier und Jetzt.

Klimaschutz ist einerseits für die Weltgemeinschaft dringend notwendig, um Katastrophen zu verhindern. Doch zugleich ist er auch individuell heilsam. Die gegenwärtige Raserei auf deutschen Autobahnen nützt niemandem. Ein Tempolimit ist dagegen gut, weil es außer weniger CO2-Ausstoß auch weniger Unfälle bedeutet. Die Aktion Klimafasten zeigt, dass ein klimafreundlicherer Lebensstil auch persönlich meist angenehmer ist: weniger Fleisch essen, gemeinsam spielen statt fernsehen, Treppensteigen statt Lift benutzen, das Fahrrad statt das Auto zu nehmen – das alles führt zu mehr Gesundheit, mehr Ruhe, mehr Entschleunigung. Die Konsumgesellschaft ist nicht die zufriedenere Gesellschaft.

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