Kampf der Kulturen auf Katholisch
Abwiegeln ist angesagt. Sowohl in der Pressekonferenz in der fensterlosen Sala Stampa della Santa Sede als auch im anschließenden Briefing für die deutschsprachigen Journalisten beschwichtigen Pressemänner des Vatikans und eingeladene Synoden-Bischöfe: Nein, es gebe auf der Familiensynode keinen tief gehenden Streit! Die Stimmung sei wunderbar! Also alles paletti? Wohl kaum. Denn zu große Verluste drohen den Konservativen.
Zugleich sickert die – nicht überprüfbare – Kunde durch, die auf die Synode als Expertin berufene Berliner Familienberaterin Ute Eberl habe es durchaus nicht leicht gehabt im Circolo minore, dem Arbeitskreis mit dem Glaubenspräfekten Kardinal Gerhard Ludwig Müller und dem ähnlich konservativen US-Kurienkardinal Raymond Burke. Beide zählen zu den Wortführern der Beharrungsfraktion. Sie wollen möglichst wenig an der Kirchenlehre zu Ehe, Familie und Sexualität ändern. Dass diese Lehre steil von oben herab denkt und anordnet, ja die Ehe theologisch hochzwirbelt und aus der Liebe Christi zu seiner Kirche gleichsam ableitet, ist für konservative Synoden-Zölibatäre kein Problem.
Schlagabtausch unter Kardinälen? Dramatische Berichte
Italiens Zeitungen berichteten gestern von einem »Scontro nel Sinodo tra i cardinali« – so die Überschrift in der auflagenstarken, liberalen La Repubblica. Frei übersetzt heißt das: vom »Schlagabtausch zwischen den Kardinälen auf der Synode«. Berichtet wird in dramatischem Ton. Zu den großen Aufregern zählt der Zwischenbericht nach der ersten Arbeitswoche, zusammengestellt vom ungarischen Kardinal Peter Erdö.
Völlig neu: Freundliche Worte für Lesben und Schwule
Heiß umstritten sind die Punkte 50, 51 und 52 gegen Ende des Berichtes, (der nicht auf Deutsch vorliegt). Denn so freundliche und wertschätzende Sätze hat die katholische Kirche wohl noch nie für die vielen Menschen gefunden, die als Lesben und Schwule leben. Vor allem afrikanische Synodenväter sowie Kirchenfürsten aus Osteuropa scheinen deswegen beinahe durchzudrehen.
Denn Abschnitt 50 formuliert, die Kirche wolle homosexuelle Menschen freundlich und mit Respekt empfangen und aufnehmen. »Wie können wir ihnen Raum, brüderlichen Raum geben in unseren Gemeinden und Gemeinschaften? Wie kann die katholische Kirche einladend werden für sie – ohne die kirchliche Lehre über Ehe und Familie zu kompromittieren?« So fragt der Text.
Abschnitt 51 schlägt vor, »realistische Wege« für ein immer besseres Miteinander zu suchen. Die alte Ausgrenzung durch eine seit dem 19. Jahrhundert immer mehr moralisch »verkleinbürgerte« Amtskirche wird nicht erwähnt.
Abschnitt 52 schließlich lobt die Fürsorge, Verlässlichkeit und Liebe, die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften anzutreffen sei. Das ist Revolution, Umkehr und ein sehr erfreulicher, seit vielen Jahren fälliger Perspektivwechsel. Er lässt manchen Synodenteilnehmer hoffen, während andere empört sind. Jedenfalls will die Kirche, so Abschnitt 52, die Kinder aus gleichgeschlechtlichen Ehen mit ihren Eltern herzlich willkommen heißen.
Gewiss, in solch einem Zwischenbericht steht sehr Vieles. Er ist nicht mehr als ein Arbeitsdokument. Doch die nun heiß umstrittenen Punkte 50, 51 und 52 machen deutlich, dass in Rom in diesen Tagen ein sehr frischer, sehr neuer Wind weht.
Natürlich stößt der neue, konziliare Geist, hinter dem Papst Franziskus steht, auf entschiedenen Widerstand. Einladend will die Kirche werden, nicht mehr diskriminierend sein. Selbst wenn es von diesen guten Worten bis zur Verwirklichung im amtskatholischen Normalbetrieb sicherlich ein weiter, keineswegs einfacher Weg sein wird.
Damit die Synode nicht auseinanderkracht, betonen die Vatikansprecher nun die Vorläufigkeit und Unfertigkeit des Zwischenberichts. Die lockeren Meinungsgruppen sollen sich möglichst nicht zu Parteiungen verfestigen. Der Zwischenbericht sei nur ein Arbeitspapier, erklärt auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx, weil er die spannungsreiche Lage beruhigen möchte.
