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Ich wage kaum, es mir einzugestehen

vom 31.03.2020
von N. N.

Ich wage kaum, es mir einzugestehen: Als die Maschen des Netzes immer enger wurden, alle geplanten Feste sich in Nichts auflösten, zog eine seltsame Ruhe in mir ein. Erschüttert wurde mir bewusst, dass mein Lebenstempo immer sehr hoch war. Das Karussell drehte sich meist zu schnell, selbst in den letzten Wochen, wo ich gerade in den Seniorenstand eintrat. Heute wanderte ich wie jeden Tag die gleichen Wege meiner schönen Heimat. Es ist erstaunlich, wie viele Abarten der Routen man erfinden kann, um immer dieselben Pfade von neuen Punkten anzugehen, dankbar, dass mich die gleiche Natur trotz Wiederholung immer wieder neu berührt. Das Schöne ist: Einsam wandern bedeutet soziale Kontakte. Immer sind Menschen unterwegs, in erlaubten Gruppierungen und Abständen. Mit vielen alten und neuen Bekannten gab es heute frohe Gespräche, so dass ich aufgelebt nach Hause kam. Mein Mann lauschte fast etwas neidisch meinen Erzählungen. Apropos Ehemann. Gerade jetzt wird mir bewusst, wie gut es tut, mit dem so vertrauten Menschen durch diese Zeit zu gehen, nicht allein zu sein, sich über alles auszutauschen. Erst die Nachrichten des Tages holten uns wieder in die bedrohliche Wirklichkeit zurück.

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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