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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2020
Wem gehört Jesus?
Christen und Juden streiten um den Mann aus Nazareth
Der Inhalt:

Himmel, hilf!

von Christian Modehn vom 27.08.2020
Bischöfe weihen »ihre« Bistümer und ganze Länder dem Herzen Jesu oder der Gottesmutter Maria. Über den verzweifelten Versuch, in der Krise die Volksreligiosität neu zu beleben.
(Zeichnung: pa/Die Kleinert/Kostas Koufogiorgos)
(Zeichnung: pa/Die Kleinert/Kostas Koufogiorgos)

Am 15. August, dem Fest »Mariä Himmelfahrt«, wurde das Erzbistum Berlin den »Herzen Jesu und Mariens« geweiht. Kraft seiner geistlichen Macht stellte Heiner Koch, der Erzbischof, alle Gläubigen und alle kirchlichen Institutionen unter den Schutz dieser beiden »himmlischen Herzen«. Es ist schon die vierte Weihe dieser Art. 1934, 1944 und 1948 wurde das Bistum auch schon den heiligen Herzen anvertraut. Die Weltwirtschaftskrise, der Weltkrieg und die junge Bundesrepublik standen im Hintergrund. Jetzt soll die Weihe angesichts der Pandemie spirituell helfen, auch wenn Erzbischof Koch beteuert, es handle sich nicht um das Heraufbeschwören einer magischen Weltsicht.

Auch die Bischöfe von Passau und Augsburg haben ihre Diözesen der Himmelskönigin geweiht und sie dabei als »Heil der Kranken« gepriesen. Portugals Bischöfe haben im Mai eher unbescheiden gleich die ganze Nation Maria geweiht und alle anderen Bischöfe aufgefordert, ihrem Beispiel zu folgen. Mit Erfolg. Kardinal Orani Tempesta von Rio de Janeiro, ein Freund von Präsident Bolsonaro, betont: »Maria soll uns jetzt mit ihrem Mantel bedecken.« Von Hygienevorschriften oder einer medizinischen Betreuung der Armen sprach er in seiner ausführlichen »Weihe-Predigt« nicht.

Die katholische Kirchenführung in Deutschland hat zwar den staatlich verfügten Lockdown verteidigt und damit der medizinischen Vernunft entsprochen. Gleichzeitig versuchen nicht wenige Bischöfe, alte Formen der Frömmigkeit wiederzubeleben, die aus gutem Grund in Vergessenheit geraten sind. Denn Volksfrömmigkeit fördert in erster Linie den privaten Seelentrost, ist anfällig für Aberglauben und Magie. Sie erwartet Wunder von Gott und seinen Heiligen und übersieht dabei, dass Gott als »Sinn de

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