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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2012
Hoffen und Widerstehen
Konziliare Versammlung: Reformchristen suchen einen neuen Aufbruch
Der Inhalt:

Hildegard im Himmel

von Britta Baas vom 30.10.2012
Eine Benediktinerin aus Bingen ist Kirchenlehrerin. Das wusste sie längst. Jetzt hat es auch der Papst gemerkt
Hildegard von Bingen konnte einfach alles: Naturkunde und Musik, Philosophie und Theologie, Kochen und Debattieren, Bauen und Beten - für die Männer war sie ein Problem. (Foto:pa/abaca/Vandeville Eric)
Hildegard von Bingen konnte einfach alles: Naturkunde und Musik, Philosophie und Theologie, Kochen und Debattieren, Bauen und Beten - für die Männer war sie ein Problem. (Foto:pa/abaca/Vandeville Eric)

Wenn einer schon Benedikt heißt, sollte man vorsichtig sein: So eine Namenswahl ist für einen Papst ein Programm. Und ein Programm braucht Menschen, die es mit Leben füllen.

Benedikt XVI. hat die Benediktinerin Hildegard von Bingen am 7. Oktober 2012 zur Kirchenlehrerin erhoben. Ob sie sich darüber gefreut hat, wissen wir nicht. Sie ist schon 833 Jahre tot. Da aber in der katholischen Kirche nach wie vor die Lehre von der Auferstehung des Leibes gilt, müssen wir damit rechnen, dass Hildegard im Himmel etwas von der Ehrung mitbekommen hat. Naja. Dann war das Tamtam in Rom also nicht ganz umsonst.

Sie wusste zu viel, sie wollte zu viel und ließ sich nicht bremsen

Dass Hildegard eine Kirchenlehrerin ist, weiß sie selbst natürlich längst. Nach allem, was wir von ihr wissen, strotzte sie vor Selbstbewusstsein. Für eine Frau im 12. Jahrhundert war das keine günstige Eigenschaft, wenn man nicht gerade Königin oder Kaiserin war und schon von Berufs wegen das Schwert schwingen (lassen) musste. Im Leben außerhalb des Klosters wäre Hildegard vermutlich dauernd angeeckt. Sie wusste zu viel, sie wollte zu viel und sie ließ sich nicht bremsen. Im Grunde interessierte sie sich einfach für alles: Naturkunde, Philosophie und Theologie, Kunst und Kultur, Musik, Kochen und Debattieren, Bauen und Beten. Diese Frau war ein echter Schocker für Männer. Niemand konnte so recht mit ihr mithalten.

Im Kloster wurde dieses Problem auf die bestmögliche Weise gelöst: Hildegards Mitschwestern akzeptierten sie einfach als Chefin. Als ihre Lehrmeisterin Jutta starb, wurde Hildegard an ihrer Stelle Magistra der Klosterschülerinnen, später Leiterin ihrer Gemeinschaft. Jahre spä

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