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Händewaschen, Händewaschen muss ein jedes Kind!

vom 04.04.2020
von Christa Hengsbach

»Dann müssen wir sie schütteln, schütteln, schütteln, schütteln, dann müssen wir sie schütteln, bis dass sie trocken sind!«

Jeden Morgen so gegen 10 Uhr sitze ich in Zeiten von Corona mit meinem Laptop am Esszimmertisch und schüttele vor dem Display meine Hände. Auf der anderen Seite meine kleine Enkelin, anderthalb Jahre alt, schüttelt energisch ihre Händchen, und ich singe dazu: »… bis dass sie trocken sind!«

Unser Lied in Zeiten von Corona … und so passend!

Omi und Lena skypen. Hätte ich mir jemals vor ein paar Wochen träumen lassen, dass ich nur noch über Laptop mit meiner geliebten kleinen Enkelin kommunizieren sollte?

Ja, es ist so. Damit sie nicht mich, ihre Omi, ansteckt, aber ich auch nicht sie, haben wir eine Kontaktsperre.

Ich darf sie nicht mehr live treffen. Das ist schwer! Es geht damit etwas verloren, was für mich nun schon seit über einem Jahr eine so wunderbare Lebensbereicherung ist.

Meine erste Enkelin! Nach fast dreißig Jahren, der Geburt meines Sohnes, wieder ein kleines Baby in der Familie!

Ich gebe zu, ich tat mich am Anfang schwer, hatte ich doch so viel vergessen von den Babyjahren meiner eigenen Kinder! Wie halten, wie wickeln, Fläschchen geben, ins Bett bringen? Das ganze Handling mit dem Kinderwagen beim Einkaufen, in Bus und Straßenbahn … und wie aufs Klo gehen … alles musste ich erst wieder lernen.

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Was aber schnell und gut funktionierte, war die Ansprache, in der Babysprache und dann über Worte, die ich nun tausendmal wiederhole, über Lieder, die wir immer wieder singen oder ich vorsinge, über Bücher, die wir anschauen, über Spielsachen, die immer wieder zum Einsatz kommen. Und so entstand eine solche Vertrautheit, eine ganz spezielle Verbindung, dieser Omi-Enkelin-Kontakt!

Als ich sie noch betreuen durfte, watschelte sie in den letzten Monaten schon auf mich zu und rief dabei: »Omi, Omi« … da spürte ich diese ganz spezielle, tiefe Liebe!

Und wie geht das nun in Zeiten von Corona … mit Skypen? Kein Buch, kein Spielzeug, kein Essen kann ich ihr geben, kein Baden, kein Wickeln …

Ja, unser Kontakt ist reduziert.

Wenn Lena mich sieht auf dem Display des Laptops, leuchten ihre Augen … »Omi, Omi!« »Hallo, Lena!« Bussi, bussi! Und wir küssen gemeinsam das Display! Und immer wieder enden wir nach vielen Ein-Wort-Gesprächen, Zeichensprache und Klatschen mit unserem Lied:

»Dann müssen wir sie schütteln … bis dass sie trocken sind!«

Und dazu bewegt sich Lena rhythmisch hin und her…Wie gut, dass das Lied uns schon vor der Corona-Krise verband … sie wäscht sich brav die Hände … aber von einer Krise bekommt die kleine Maus noch nichts mit … außer dass Mama und Papa jetzt viel zu Hause sind … und das ist gut so … Und Omi eben über die Mattscheibe …!

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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