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»Gewalt treibt die Menschen in die Flucht«

von Thomas Seiterich vom 12.12.2018
Weshalb schließen sich so viele Menschen aus Lateinamerika der Flüchtlingskarawane an und wollen in die USA? Kardinal Gregorio Chavez aus San Salvador hat dafür Erklärungen. Der Freund des 1980 ermordeten Erzbischofs Oscar Romero spricht von der großen Gewalt in El Salvador und Mittelamerika. Aber er hat auch eine Botschaft an Europa
Tausende Migranten aus Honduras, El Salvador und Guatemala ziehen auf ihrem Weg in Richtung USA durch Mexiko. Kardinal Gregorio Rosa Chavez berichtet von ihrer schwierigen Situation und der Unterstützung durch die Kirche (Fotos: pa/Alvarado; Adveniat/Pohl)
Tausende Migranten aus Honduras, El Salvador und Guatemala ziehen auf ihrem Weg in Richtung USA durch Mexiko. Kardinal Gregorio Rosa Chavez berichtet von ihrer schwierigen Situation und der Unterstützung durch die Kirche (Fotos: pa/Alvarado; Adveniat/Pohl)

Publik-Forum.de: Herr Kardinal, halten Sie als Chef der Caritas in Lateinamerika Kontakt zu den Flüchtlingen, die in einer Karawane nach Norden, in Richtung USA, ziehen?

Kardinal Gregorio Rosa Chavez: Ja, jetzt ist diese Karawane sichtbar und in den Medien. Jahrelang war sie unsichtbar. Doch dieser Strom wurde nie unterbrochen, denn das Elend, die Gewalt und die Hoffnungslosigkeit in den Ländern Zentralamerikas ist zu groß. Aus El Salvador sind aktuell 1700 Menschen unterwegs, in vier organisierten Kolonnen. Als Caritas Zentralamerika halten wir engen Kontakt mit den Flüchtlingen. Die Kirche versorgt und begleitet sie. Außerdem organisiert die Caritas Schutz. Der Vorteil für die Fliehenden ist: Sie müssen nicht für ihren Schutz an kriminelle Organisationen bezahlen. Außerdem ist es dank unserer kirchlichen Hilfe für sie nicht nötig, den »Coyotes« Geld zu geben, das sind Schleuser, die ihnen über die Grenzen und schließlich über den Rio Grande und durch die Wüste bis in die Vereinigten Staaten helfen. Sie nehmen im Schnitt 5000 Dollar pro Flüchtling – eine enorm hohe Summe für arme Leute. Dafür müssen sich die meisten Flüchtlinge hoch verschulden. An den Grenzen der Staaten leisten wir Hilfe, auch juristisch. Von Land zu Land reicht diese Kette der praktischen und politischen Nächstenliebe. Sie reicht bis weit in die großen Städte Nordamerikas. – US-Präsident Trump ist nicht allmächtig – seine Grenze ist nicht lückenlos dicht. Engagierte christliche US-Richter helfen Flüchtlingen. Ja, sie haben kürzlich mit Flüchtlingen Thanksgiving gefeiert.

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