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vom 10.08.2020
von Ulrich Krämer, Mössingen

Meine Corona-Geschichte

2014 lernte ich meine Partnerin kennen, die als Deutsche in der Schweiz lebt und arbeitet. Seither führen wir eine Fernbeziehung zwischen St. Gallen und Baden-Württemberg. Meistens verbringe ich die Wochenenden in St. Gallen; ab und zu kommt meine Partnerin zu mir. Für das zweite März-Wochenende hatte meine Partnerin schon eine Fahrkarte nach Deutschland gekauft. Dann kam am Freitagnachmittag die Aufforderung vom Schweizerischen Bundesrat, nicht unnötig über die Grenze zu fahren und den öffentlichen Nahverkehr möglichst zu meiden. Meine Partnerin hätte bis zu mir sieben verschiedene Verkehrsmittel benutzen müssen. Also entschied ich mich kurzerhand mit dem PKW zu ihr in die Schweiz zu fahren. Ich ließ alles stehen und liegen. Als wir am Sonntag am späten Nachmittag von einer Wanderung zurückkamen, sah ich die Eilmeldung in ZEIT-Online: Die Grenzen werden schließen. Was tun? Soll ich zurück nach Deutschland? Wann werden wir uns wiedersehen? Würde jeder von uns die Osterfeiertage und -ferien allein verbringen müssen? Eine weitere Einreise in die Schweiz war vorerst auf alle Fälle nicht mehr möglich! Ich entschied mich kurzerhand in St. Gallen zu bleiben. Es war klar, dass ich als Lehrer in der nächsten Zeit online unterrichten würde. Das konnte ich ja schließlich auch von St. Gallen aus tun. Allerdings hatte ich nicht alle Unterrichtsmaterialien online verfügbar, und außerdem hatte ich auch nur für das Wochenende persönliche Sachen mitgenommen. Meine Partnerin durfte als Deutsche mit Wohnsitz in der Schweiz nach wie vor die Grenze in beide Richtungen passieren. Allerdings nicht mit meinem Auto, da sie in der Schweiz kein Auto mit deutschem Kennzeichen fahren darf. Also lieh sie sich ein Auto mit Schweizer Kennzeichen von einer Kollegin und fuhr damit drei Tage später zu meiner Wohnung in Baden-Württemberg. Dort holte sie alles Notwendige und leerte den Kühlschrank. Denn es war klar, dass ich wohl für mehrere Wochen nicht mehr nach Hause kommen würde.

So verbrachte ich sieben schöne Wochen, darunter auch das gemeinsame Osterfest und meine Ferien, bei ihr.

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Ich empfinde es als ein besonderes Geschenk, dass wir so viel Alltag gemeinsam verbringen konnten. Wir sind auf alle Fälle Gewinner dieser außergewöhnlichen Zeit! Inzwischen bin ich wieder in Deutschland und darf ab sofort auch wieder zur Beziehungspflege in die Schweiz einreisen.

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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