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Führen heilige Bücher in die Zukunft?

von Hamed Abdel-Samad vom 13.04.2017
»Nein, das können sie nicht!«, sagt der deutsch-ägyptische Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad: »Denn sie sind die Projektionen vormoderner Menschen auf Gott. Wir müssen Abschied davon nehmen, ihnen angebliche Pläne für die Menschheit zu entnehmen.« Thesen aus der Publik-Forum-Reihe »Streitfragen zur Zukunft«
Führen uns heilige Bücher in die Zukunft? »Nein!«, sagt der deutsch-ägyptische Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad (rechts) in der Publik-Forum-Reihe »Streitfragen zur Zukunft«. (Fotos: iStock/Viorika; pa/BREUEL-BILD)
Führen uns heilige Bücher in die Zukunft? »Nein!«, sagt der deutsch-ägyptische Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad (rechts) in der Publik-Forum-Reihe »Streitfragen zur Zukunft«. (Fotos: iStock/Viorika; pa/BREUEL-BILD)
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»...Welche Form der Religion kann uns in die Zukunft begleiten? Eine, die auf politische Macht, Exklusivität und Gewalt setzt, sicherlich nicht. Manche Religionen werden verschwinden, mache werden zur Folklore, mache werden zu Schatten ihrer selbst werden.

Doch wir werden nicht religionsfrei leben. Denn das, was die Religion ausmacht, macht uns Menschen aus: Angst, Hoffnung, Weisheit, Dummheit, Hass und Liebe, Selbstüberschätzung und Demut. Deshalb mag ich – bei aller Religionskritik – Moscheen, Kirchen, Synagogen und Tempel. Ich fühle mich dort immer sehr wohl. Nicht, weil es Gotteshäuser, son

Kommentare
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Hannes Müller
30.04.201704:38
@Ratlos: Bibelstellen zu meinem Kommentar i.d. Aussagenfolge:
1) Joh 2, 15; Mt 21,12ff; Mk 11,15ff; Lk 19,45ff
2) Lk 13,1-5
3) - direkt: Mt 5,22.29.30 (Bergpredigt!); 10,28; 11,23 (Lk 10,15); 18,9 (Mk 9,43.45.47); 23,15.33; - indirekt: Lk 8, 31; 16,23ff; - umschrieben durch: 1. (äußerste) Finsternis, da wird sein Heulen und Zähneklappern: Mt 8,12; 22,13; 25, 30;Lk13,28; 2. Verdammnis: Mt 12,37; Mk 16,16; Joh 3,18; 3. Feuerofen / ewiges Feuer / ewige Strafe: Mt 13, 30.41f.49f; 18,8; 25,41.46; Joh 15,6.
4) Mt 24, 37.40; Mk 13, 19
5) Lk 12, 46f; Mt 24, 51
6) Lk 19, 27 (Luther-/Elberfelder/unrevid. Luther-Bibel)
7) Mt 5, 17ff; Lk 16,17; Mt 23,2f (vgl. 5.Mo 13; 17; 18; 21,18ff; 22,13-22; 3.Mo 20,13; 24,16)
Anmerkung: „Jesus und die Ehebrecherin“ steht nur Joh 8,1ff u. „gehört nicht zum ursprgl. Bestand des Johannes-Evangeliums; die besten Textzeugen überliefern es nicht.“ (Einheitsübersetzung, S. 1200, Fußnote)
8) Mt 18, 6-8
9) Mt 5, 1f u. 17-19; Mt 17, 3 u. 10-13
Rudi Ratlos
19.04.201714:19
Per Zufall stolperte ich in den Artikel von Hamed Abdel Samad und so auch in die Kommentare.
Ich bin überhaupt nicht "bibelfest" und so wundern mich die Aussagen von Hannes Müller bzgl. Gewaltbefürwortung seitens Jesus. Ich dachte, er sei (ausschließlich) gleichzusetzen mit Frieden, Vergebung usw.
Kann mir bitte jemand die Bibelstellen angeben, auf die sich Hannes Müller bezieht?
Ich weiß nicht, wie ich diese finden könnte und würde gerne im Zusammenhang nachlesen.
Danke vorab!
Max Muster
15.04.201720:06
Heilig wurden die von Menschen erstellten Schriftwerke, damit Ihnen eine übermenschliche von niemand anzweifelbare Autorität zuerkannt wird. Ansonsten hätten die Leser eine unendliche Diskussion über "stimmts" angefangen.
Sicher enthalten die Bücher bestimmte Weisheiten ihrer Zeit, die evtl auch heute noch gelten. Eine große Rolle spielen sie noch heute bei der ethischen Ausrichtung von Menschengruppen. Sie wirken (neutral gemeint) identitätsstiftend.
Klar gibt es bestimmte Rätsel der menschlichen Existenz. Eines : wie kann eine Kreatur aus Materie eine Seele (selbst über das Wesen der Seele darüber mag man rätseln ) haben.
Insofern kann Religion auch tröstend wirken in Schicksalssituationen, weil sie Antworten gibt, wo Wissenschaft bislang objektiv nicht viel sagen kann.
Hannes Müller
14.04.201714:50
Gewaltbefürwortung gibt es auch bei Jesus: Er geht laut Bibel nicht nur gewalttätig gegen Händler und Geldwechsler im Tempel vor. Er droht mit Vernichtung denen, die nicht Buße tun; droht vielfach mit ewigen Höllenstrafen, womit er das endliche Strafmaß im AT noch steigert; droht, dass es bei seinem Kommen wie bei der Sintflut oder noch schlimmer sein wird. Er fordert mit der Einhaltung des Mose-Gesetzes auch die Todesstrafe für Anstiftung zum Glaubensabfall, Gotteslästerer, „ungeratene“ Söhne, Ehebrecher u. Homosexuelle. Er wird in die Tradition von David, Mose u. Elia gestellt, die lt. Bibel – als gehorsame Vollstrecker der Ausrottungsbefehle Gottes – Massenmörder waren.
Güngör Coskun
14.04.201712:21
Das größte Problem in allen Religionen, ist ihr Dogmatismus. Solange die Menschen nicht in der Lage sind, sich kritisch und Frei mit ihrer Religion auseinander setzen, wird es leider nie einen echten Frieden, Freiheit und Harmonie in der Welt geben.
Die Fähigkeit des Selbstständigen Denkens, wird einem genommen. Erst durch die Absolute Freiheit im Menschlichen Bewusstsein kann er seine eigene Wahrheit finden. Wir dürfen auch nicht den Fehler machen, Religion und Spiritualität gleich zu setzen. Es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen diesen beiden Elementen.
Religion ist die Suche nach Antworten im Äußeren. Sie lesen Vermeintlich Heilige Bücher, lauschen den Worten eines Geistlichen, Fragen nach deren Rat bei allen Lebensfragen. Spirituelle Menschen suchen die Antworten in ihrem Innern. Dabei verlassen sie sich auf ihre Intuition, auf die Weisheit ihres Herzens. Ich ziehe den Sprituellen Weg in meinem Leben vor. Da der göttliche Funke ebenfalls in uns vorhanden ist.
Paul Haverkamp
13.04.201715:39
Die Bibel ist ein Glaubensbuch, in dem Menschen in ihrer jeweiligen Zeit ihr Verhältnis zu Gott formuliert haben. Wenn man sich den Gesamttext der Bibel anschaut, dann wird sehr deutlich, dass unterschiedliche soziale, geschichtliche und politische Situationen auch immer wieder dafür verantwortlich sind, dass Menschen ihr Verhältnis zu Gott als sehr ambivalent und teilweise auch widersprüchlich empfunden haben. Immer und immer wieder ist es ein Ringen um die Frage, warum Gott in bestimmten Situationen dieses oder jenes bestimmt, zugelassen oder auch nicht verhindert hat.

Das Christentum braucht keinen neuen Martin Luther, sondern einen Jesus von Nazareth, der Gottesdienst als Menschendienst und Menschendienst als Gottesdienst praktiziert hat. Diakonie muss wieder ins Zentrum aller Christen rücken – verbunden mit einer Abkehr vom Papalismus, Juridismus, Klerikalismus und der Absage von Macht, Herrschaft und Reichtum. In nuce: Eine Rückkehr zu den jesuanischen Quellen.