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Es ist Ende März, und es ist Winter

vom 29.03.2020
von Martina Lang

Die vorhergegangenen Frühlingstage haben die Krise vergessen lassen: im Sonnenschein spazieren gehen, die aufkeimende Natur genießen, die Stille hören, im Garten arbeiten.

Die Kälte heute ist nicht nur draußen, sie spürt sie auch im Inneren: Es gibt kein Entkommen, und das scheinbare Aufrechterhalten der Normalität ist Selbstbetrug.

Schreiben wollte sie schon immer, doch bisher fand sie noch nicht das Thema. Jetzt kam es von alleine durch eine Bedrohung von außen. Da hat sie angefangen, Tagebuch zu schreiben. Mit dem Titel »Die Liebe in Zeiten von Corona« kommt sie nicht zurecht. Sie liest zwar, dass viel Positives zwischen den Menschen geschieht, auch wenn keine Nähe zugelassen ist, doch Liebe?

Natürlich liebt sie ihren Mann, die Beziehung zueinander ist noch enger geworden. Sie liebt auch ihre Kinder und Enkel, die sie schützen wollen. Doch ist die körperliche Distanz wirklich richtig? Brauchen besonders kleine Kinder nicht auch in dieser Zeit die spürbare Nähe der Großeltern?

In einem sind sich ihr Mann und sie einig: Sie wollen, wenn sie erkranken und es so schlimm werden sollte, wie prognostiziert wird, auf eine Beatmung verzichten, damit Jüngeren geholfen werden kann. Sie hat keine Angst vor dem Tod, wohl aber vor dem Sterben. Die Aussage ihres Sohnes (der Intensivpfleger ist und um den sie Angst hat), es würde keiner an der Erkrankung dank Morphium ersticken, hat sie etwas beruhigt. Sie bedauert nicht, dass sie die Glaubenszuversicht schon seit Langem nicht mehr hat. Gebete, besonders Fürbitten, sind ihr unverständlich.

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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