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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2012
Mordshunger
Die Würde des Tieres ist antastbar
Der Inhalt:

El Salvador: Vergebung für die Killer

von Tobias Käufer vom 24.08.2012
In kaum einem Staat ist das Leben so gefährlich wie in El Salvador. Verbrecherbanden, sogenannte Maras, terrorisieren das Land. Nun verhandelt die Kirche mit dem Ziel, einen Waffenstillstand im Bandenkrieg zu erreichen
Bereit, der Gewalt abzuschwören?;  Mara-Bosse bei einer Messe im Gefängnis  (Foto: pa/Romero)
Bereit, der Gewalt abzuschwören?; Mara-Bosse bei einer Messe im Gefängnis (Foto: pa/Romero)

An der »Prozession des Friedens« nimmt nicht einmal eine Handvoll Leute teil – und doch schaut an diesem Freitag im Juli ganz El Salvador genau hin, wie die vier vermummten Männer langsam, aber zielgenau den Tisch ansteuern. An ihm sitzen Militärbischof Fabio Colindres, der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), José Miguel Insulza, und der Ex-Guerilla-Kämpfer Raul Mijango für die Regierung.

Mitgebracht haben die vier Vermummten ihr tägliches Handwerkszeug: Messer, Macheten, Handfeuerwaffen, Pumpguns und Maschinengewehre. Insgesamt 77 Mordwaffen liegen am Ende dieses Tages ausgebreitet vor dem katholischen Bischof und seinen einflussreichen Gästen auf einem langen braunen Tisch.

Ausweg aus dem Teufelskreis der Gewalt?

Es ist nur eine symbolische Geste auf dem Gerardo-Barrios-Platz im Zentrum der Hauptstadt San Salvador. Jedoch eine Geste, die die Hoffnung bestärkt, dass es in El Salvador vielleicht doch einen Ausweg aus dem Teufelskreis der Gewalt geben könnte. »Wir möchten uns ändern, und wir möchten, dass Sie wissen, welche Anstrengungen wir unternehmen, damit sich die Situation für unser Volk bessert«, sagte einer der vier Vermummten.

Die wichtigste Tageszeitung des Landes La Prensa Grafica schaut scharf und kritisch hin: Viele der Waffen seien verrostet gewesen, einige gar nicht mehr verwendbar. Vertrauensbildung ist eben ein langwieriges und mühsames Geschäft. Es geht um viel an diesem Freitag im Juli – für alle Beteiligten.

Militärbischof Fabio Colindres hat vor ein paar Monaten angefangen, mit den inhaftierten Führern der berüchtigte

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