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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2012
Mordshunger
Die Würde des Tieres ist antastbar
Der Inhalt:

»Ich bin kein Sprachrohr«

von Karsten Packeiser vom 24.08.2012
Er ist der erste Muslim im Deutschen Ethikrat. Für wen spricht er und was bewegt ihn? Fragen an den Medizinethiker Ilhan Ilkilic

Herr Ilkilic, Sie sind neues Mitglied im Deutschen Ethikrat. Wen vertreten Sie dort?

Ilhan Ilkilic: In Deutschland leben vier Millionen Muslime, und ich bin einer davon. Meine Aufgabe im DeutschenEthikrat sehe ich darin, muslimischen Wertvorstellungen und Haltungen in all ihrer Vielfalt Gehör zu verschaffen. Ich bin aber im offiziellen Sinn kein Vertreter der Muslime. Das kann ich nicht beanspruchen, und das möchte ich auch nicht. Ich verstehe mich auch nicht als Sprachrohr bestimmter Institutionen. Ich denke, entscheidend für meine Berufung war nicht allein meine Religionszugehörigkeit, sondern meine Fachkompetenz und die Forschungsarbeit der vergangenen Jahre.

Glauben Sie, dass Sie als Muslim in dem Gremium besondere Akzente setzen können?

Ilkilic: Es kann durchaus sein, dass ich mit meiner Auffassung in der Minderheit bin und noch nicht einmal in der Stellungnahme berücksichtigt werde. Es geht aber nicht darum, dass bestimmte Regelungen nach den Wünschen einzelner Religionsgruppen getroffen werden. Es geht darum, dass Menschen aus anderen Kulturkreisen als gleichberechtigte Diskussionspartner berücksichtigt werden. Höhere Erwartungen habe ich nicht.

Vertreten Sie häufig eine Außenseitermeinung?

Ilkilic: Gewiss werde ich nicht zu jeder Frage ein Sondervotum abgeben, sondern mich durchaus innerhalb der im Ethikrat vertretenen Positionen wiederfinden. Wenn es um das Verbot aktiver Sterbehilfe geht, dann stehe ich auf der Seite der Kirchen. Beim Thema Präimplantationsdiagnostik bin ich allerdings nicht auf der Seite der Katholiken, sondern bei den liberalen Stimmen.

Gibt es in bioethischen Fragen eigentlich grundlegende Unterschiede zwischen dem islamischen und westlichen Kulturkreis?

Ilkilic: Es werden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Das Gesundheitssystem in vielen muslimischen Ländern funktioniert bekanntlich nicht einwandfrei. Wenn es bei der Basisversorgung behandelbarer Krankheiten enorme Probleme gibt, dann ist eine Diskussion über Embryonen verbrauchende Stammzellforschung gewissermaßen ein Luxusthema. Andere Fragen werden trotzdem intensiver debattiert als in Deutschland – etwa die In-vitro-Fertilisation, also die künstli

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