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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2017
Cyberwar
Stell dir vor, es ist Krieg und keiner merkt es
Der Inhalt:

Dschihad statt Darwin

von Ulrich von Schwerin vom 18.10.2017
Präsident Erdogan will in der Türkei eine »fromme Generation« heranziehen. Dafür baut er den Lehrplan um und setzt auf religiöse Stiftungen. Nicht nur säkulare Türken sind beunruhigt – auch der interreligöse Dialog hierzulande wird schwieriger
Präsident Erdogan (in der Bildmitte) besucht eine der Imam-Hatip-Schulen, die ursprünglich nur zur Ausbildung von islamischen Predigern gedacht waren, inzwischen aber für alle Schüler offen sind (Foto: pa/abaca)
Präsident Erdogan (in der Bildmitte) besucht eine der Imam-Hatip-Schulen, die ursprünglich nur zur Ausbildung von islamischen Predigern gedacht waren, inzwischen aber für alle Schüler offen sind (Foto: pa/abaca)

Zu Beginn des neuen Schuljahres ist in der Türkei ein Kampf um die Bildung entbrannt. Viele säkulare Türken sehen mit Sorge, dass der Islam in Schulen und Universitäten immer mehr an Bedeutung gewinnt. Nachdem die Regierung trotz breiter Kritik einen neuen Lehrplan durchgedrückt hatte, schaffte Erdogan auch noch die Aufnahmeprüfung für die Sekundarschule ab. Viele Türken fürchten, dass damit mehr Schüler auf die religiösen Imam-Hatip-Schulen geleitet werden sollen, die ursprünglich zur Ausbildung von islamischen Predigern gedacht waren und deren pädagogische Qualität umstritten ist. Unter dem Motto »Für eine wissenschaftliche und säkulare Bildung« gingen deshalb in Istanbul, Ankara und Izmir zum Schuljahresbeginn besorgte Eltern, Schüler und Studenten auf die Straße.

Seit dem gescheiterten Putsch setzt Erdogan verstärkt auf islamische Stiftungen und Bruderschaften, um die Lücke im Bildungswesen zu schließen, die durch die Zerschlagung der Gülen-Bewegung entstanden ist. Erdogan hatte sich früh mit dem Prediger Fetullah Gülen verbündet, um den Staat unter seine Kontrolle zu bringen. Dieser hatte seit den 1960er-Jahren in der Türkei ein Netzwerk aus Schulen, Wohnheimen und Nachhilfeeinrichtungen aufgebaut, um die Jugend in den Werten des Islams zu erziehen und ihr zugleich die Fähigkeiten zu vermitteln, um in der modernen Welt zu bestehen. Für Erdogan waren die frommen, gut ausgebildeten Absolventen der Gülen-Schulen ideale Kandidaten, um Posten in Verwaltung, Justiz und Militär zu besetzen. Über Jahre rückten Gülen-Anhänger so auf wichtige Stellen im Staatsdienst auf, obwohl säkulare Türken früh warnten, dass sich eine sektenartige Bewegung des Staates bemächtige.

Das U

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