Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2017
Cyberwar
Stell dir vor, es ist krieg und keiner merkt es
Der Inhalt:

Streitfragenzur Zukunft: Bezeugen alle Religionen denselben Gott?

von Perry Schmidt-Leukel vom 13.10.2017
Ja, Unterschiede allein sind noch kein Widerspruch Gott ist tatsächlich der Gott aller Menschen. Allmählich fangen wir an, dies auch zu glauben

Diese Streitfrage ist nicht neu. Sie begegnet meist in der Form: Glauben alle Religionen an denselben Gott? Doch was ist damit eigentlich gemeint?

Wird die Frage im christlichen Kontext aufgeworfen, so dürfen wir annehmen, dass sie nicht polytheistisch gemeint ist. Das heißt: Es wird nicht vorausgesetzt, dass es tatsächlich mehrere Götter gibt, sodass die eine Religion eine bestimmte Gottheit und die andere Religion eben eine andere Gottheit verehrt, all diese Götter aber tatsächlich existieren. Wenn diese Option ausscheidet, dann ist die Frage anders gemeint, als sie zunächst klingt: Beziehen sich die Gottesbilder und Transzendenzvorstellungen der anderen Religionen ebenfalls auf jene eine göttliche Wirklichkeit, von der wir glauben, dass sie in unserer Religion bezeugt ist? Oder haben es die anderen Religionen bloß mit Götzen zu tun, mit Chimären, Produkten der menschlichen Fantasie oder im schlimmsten Fall sogar mit widergöttlichen, dämonischen Mächten?

Wie lässt sich darauf eine begründete Antwort finden? Können wir die Antwort an der Übereinstimmung oder den Unterschieden zwischen den Gottesbildern festmachen? Ich denke, dass dieser Weg ausscheidet. Natürlich haben die Religionen nicht alle dasselbe Gottesbild. Aber haben denn alle Christen dasselbe Gottesbild? Mitnichten. Mahatma Gandhi schrieb einst: »Ich habe nicht zwei Menschen gekannt, die exakt die gleiche Vorstellung von Gott gehabt hätten.« Die Unterschiede betreffen keineswegs nur individuelle Feinheiten. Nehmen wir Jesus, Paulus und Thomas von Aquin. Hatten sie dasselbe Gottesbild? Wohl kaum. Während Jesus den strikten Monotheismus des jüdischen Volkes teilte (Markus 10, 18), vertrat Thomas eine christliche Trinitätslehre mit starkem aristotelischem Einfluss. Und bei Paulus treffen wir auf ein spätjüdisches Gottesbild, das besonders durch sein Verständnis der Rolle Jesu geprägt ist. Wollen und können Christen daraus schließen, dass Jesus, Paulus und Thomas nicht an denselben Gott glaubten, dass also mindestens zwei von ihnen es nur mit einem »Götzen« zu tun hatten? Vermutlich nicht. Daher können wir unsere Ausgangsfrage auf diesem Weg nicht beantworten.

Kann sich aber der Glaube an den einen wahren Gott in unterschiedlichen Formen und auf unterschiedliche Weise ausdrücken und bezeugen? Im Kern ja. Wenn es auf Jesus, Paulus und Thomas zutrifft, dass sich ihr Glaube unterschiedlich bezeugte, warum sol

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen