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Die Angst der Kirche vor ihren Theologen

von Christian Modehn vom 22.10.2018
Der Vatikan verweigert es Ansgar Wucherpfennig, weiter Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main zu bleiben. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki verhinderte 2016 die Berufung des Theologen Joachim Negel an die Universität Bonn. Die Eingriffe in die Freiheit der Wissenschaft sind unerträglich. Ein Kommentar von Christian Modehn
Der Theologe Ansgar Wucherpfennig hält die ablehnenden Aussagen in der Bibel zur Homosexualität aus heutiger Sicht nicht für zeitgemäß, der Vatikan will ihn deshalb als Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen absetzen (Foto: pa/Rumpenhorst)
Der Theologe Ansgar Wucherpfennig hält die ablehnenden Aussagen in der Bibel zur Homosexualität aus heutiger Sicht nicht für zeitgemäß, der Vatikan will ihn deshalb als Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen absetzen (Foto: pa/Rumpenhorst)

Sie entscheiden, was katholische Theologie ist und wer sie lehren darf: Vatikanische Behörden ignorieren Erkenntnisse der historisch-kritischen Bibelwissenschaft und verweigern dem Jesuiten Ansgar Wucherpfennig die Fortsetzung seines Amtes als Leiter der Hochschule St. Georgen. Sie erteilen ihm nicht das »Nihil obstat«, die Unbedenklichkeitserklärung. Dabei hatte Wucherpfennig nur den allgemeinen Stand der Forschung ausgesprochen, als er in einem Interview bereits vor zwei Jahren auf die historische Bedingtheit biblischer Aussagen zur Homosexualität aufmerksam machte. Das zeigt, wie groß die Angst der Kirche vor der historisch-kritischen Arbeit ihrer Theologen ist. Denn diese Methode kann auch auf ethische und dogmatische Lehren angewendet werden.

Theologen müssen frei forschen dürfen

Wer letztlich in Deutschland die Theologie bestimmt, demonstriert gerade wieder der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. Er verhinderte bereits 2016 durch seine Intervention im Ministerium die vorgesehene Berufung des Theologen Joachim Negel an die Universität Bonn. Für Woelki besteht der Auftrag der Theologie nur darin, »die Glaubenslehre (also die in Rom) wissenschaftlich zu vermitteln«. Dabei müsste Theologie frei und umfassend das plurale Christentum studieren und dann mit der Kirchenführung in ein partnerschaftliches Gespräch eintreten. Laut Katechismus aber sollen Theologen »Helfer« des Lehramtes sein. Ist bei dieser Abhängigkeit katholische Theologie noch Wissenschaft? M

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