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Der Vatikan spricht über Sex

von Hermann Häring vom 21.09.2014
Nur noch wenige Tage, dann beginnt im Vatikan ein denkwürdige Synode: Die katholische Kirche könnte nichts weniger tun als ihre Haltung zu Sexualität, Ehe und Familie grundlegend zu modernisieren. Doch wird Papst Franziskus wirklich offen diskutieren lassen, welche theologischen Prinzipien bislang jede Innovation verhinderten? Der Theologe Hermann Häring sagt: Es reicht nicht, auf die Psychologie verängstigter Bischöfe zu verweisen
Braut sich da ein Gewitter zusammen? Bei der Familiensynode im Vatikan im Oktober könnte es zu schweren Konflikten kommen. Denn die katholische Naturrechts- und Morallehre passt schon lange nicht mehr zur Lebenswirklichkeit vieler Katholiken weltweit. Die Kirche verliert deshalb rapide an Einfluss und Wertschätzung. (Foto: Galletto Marco/Fotolia.com)
Braut sich da ein Gewitter zusammen? Bei der Familiensynode im Vatikan im Oktober könnte es zu schweren Konflikten kommen. Denn die katholische Naturrechts- und Morallehre passt schon lange nicht mehr zur Lebenswirklichkeit vieler Katholiken weltweit. Die Kirche verliert deshalb rapide an Einfluss und Wertschätzung. (Foto: Galletto Marco/Fotolia.com)

Viele Reformwillige begrüßen die detaillierte und unerschrockene Kritik des Antwerpener Bischofs Dr. Johan Jozef Bonny an den römisch-katholischen Positionen zu Ehe, Familie und Sexualität. Nach ihm ist das Gewissen der Einzelnen ernst zu nehmen, sind die statischen Naturrechtsregeln aufzusprengen und darf Rom nicht weiterhin nur die ihm genehmen Schulbildungen vorantreiben. An zahllosen Beispielen illustriert er, wie überheblich viele Menschen von ihrer Kirche verurteilt werden, weil sie ihre oft komplexen Lebenssituationen mit höchster Verantwortlichkeit gestalten. Aus diesen Gründen hat Bischof Bonny Respekt und Dank verdient.

Verlorener Konsens?

Am meisten scheint ihn zu beschäftigen, dass die Bischöfe der Weltkirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil alle Kraft zur gegenseitigen Kommunikation verloren haben. Damals, so Bonny, hätten sie alle noch zusammengearbeitet und mit hohem Konsens ihre Dokumente verabschiedet. Dann sei es –wenigstens in Sachen Ehe- und Sexuallehre – bergab gegangen.

Schlüsselstationen für diese Fehlentwicklung waren nach Bonny die Enzyklika Humanae vitae von Paul VI. (1968), weitere sexualethische Äußerungen sowie das Apostolische Schreiben Familiaris consortio von Johannes Paul II. (1981).

Allerdings ist diese Erkenntnis weder neu noch unbesprochen. Dies zeigt eine vielfältige theologische Literatur, und wer hätte in der Benediktus-Ära nicht die allgemeine Polarisierung zwischen obe

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Kommentare
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Heinz Remmler
10.10.201421:01
Eine Institution, die vorgibt Dogmen und lehramtliche Äußerungen seien Ausfluss "göttlichen Rechts" und deshalb nicht revisibel, ist unfähig zu einem Paradigmenwechsel, der die Lebens-und Erfahrungswelt der Menschen von heute anspricht. Der viel beklagte Glaubwürdigkeitsverlust der sog. Amtskirche führt direkt in die in vorwurfsvollem Unterton beklagte Glaubenskrise des Kirchenvolkes.Wer so wenig auf den Glaubenssinn des Volkes Gottes zu hören versteht und Lehren vertritt,die jedem gesunden Menschenvertsand zuwider laufen, braucht sich nicht zu wundern, dass man einer solchen Institution, auf ihrem ureigenen Feld, den Glauben an Jesus zu vermitteln und die Menschen an die Fragen christlicher Existenz zu führen, keine Kompetenz mehr zuspricht.
Egon Weiß
01.10.201418:04
Alle paar Tag erhalte ich auf meinem Bildschirm den Hinweis "Ihre Daten sind veraltet" und es wid mir empfohlen ein update vorzunehmen. Ohne diese updates würden wir heute wohl noch über Rauchzeichen kommunizieren. Die Kirche in ihrer unsinnigen Beharrung auf dem "Wort des lebendigen Gottes" (einer Lüge übrigens!) und der Ableitung daraus, dass die Kirche "Werk und Schöpfung Gottes" (Müller) sei, verweigert sich seit Jahrhunderten jeglicher updates und redet sich permanent selbst autosuggestiv ein, dass sie einzig im Besitz einer unabänderlichen Wahrheit sei.
So lange sie diesem Irrtum treu bleibt, wird sich nichts, aber auch gar nichts ändern. Die Synode: "Viel Lärm um nichts" oder "alter Wein in neuen Schläuchen".
Die hohen Hierarchen, auch Herr Oster in Passau, haben noch nicht kapieren dürfen, dass viele aus dem Kirchenvolk längst aus diesem starren System, wenn nicht äußerlich, dann innerlich, ausgewandert sind. Ihre Daten sind veraltet meine Herren - führen Sie das update aus!
Mathilde Vietze
30.09.201408:52
Im Vatikan reden sie über Sex wie der Blinde von der Farbe. Und es ist klar,daß die zölibatären Neidhammel doch nicht jetzt auf einmal anderen das gönnen, worauf sie ein Leben lang "freiwillig"
und "um des Himmelreiches willen" verzichtet haben.
Dr. Franz Hein Aengenheister
27.09.201401:32
Bonny und Häring haben recht, und Bonnys Stimme ist die mutigere und gewichtigere. Pragmatisch gedacht muss der Papst gelobt werden und der Wojt-zinger- "Fundamentalismus" (inclus. Montinis Eingriffe in das Konzil in Sachen Zölibat, Empfängnisregelung und Primat) müssen immer wieder aufgespießt werden. Bergoglios, Pell's und Marx' Aussagen über die innerkirchliche Subsidiarität dagegen sollten bestärkt werden. Und der Papst sollte ermutigt werden, seinen Jurisdiktionsprimat weiterhin kräftig zu praktizieren und nur gute Pfarrertypen als Bischöfe zuzulassen und ähnliche Bischöfe ins Kardinalskollegium zu holen. Und die Herren und Damen Professoren sollten Tacheles reden über die häretische Interpretation des Zölibats: Jesus ERLAUBT die Ehelosigkeit. Alles andere ist mönchischer Schmonzes. Basta.
Heidrun Meding
25.09.201418:44
Nach allem, was wir wissen und tagtäglich erleben dürfen, scheint es so zu sein, dass die katholische Kirche nicht reformierbar ist.
Diese Erkenntnis kann nur zur Folge haben, dass sich auch die noch verbliebenen "Schafe" im Pferch dieser römischen Kirche von ihr abwenden und sich anderen Formen der Religiosität zuwenden oder frei und fröhlich ohne kirchliche Bevormundung leben werden.
Selbst der zurückgetretene Papst Joseph Ratzinger soll längst eingesehen und zugegeben haben, dass die katholische Kirche - zumindest in Europa - Sektencharakter haben wird, und dies schon in den kommenden 20 bis 30 Jahren.
Die letzten dieser katholischen Sektenmitglieder werden dann vielleicht ihren Gott anrufen und um eine Umkehr des eingetretenen Klimawandels erbitten, aber auch der Christengott wird der Welt die kalte Schulter zeigen, weil es ihn gar nicht gab bzw. gibt oder dieser Gott in den weiten des Universums den kleinen Planeten Welt längst vergessen hat.
Paul Haverkamp
22.09.201411:35
Kann man allen Ernstes den Kinder im kath. Kindergarten sagen, nur weil ein Viertel aller dort befindlichen Kinder in Familienformen aufwächst, die mit den Vorstellungen einer kath. Ehe nicht mehr übereinstimmen, dass ihre Eltern im Zustand der Sünde leben?!

Der „sensus fidelium“ (der gesunde Menschenverstand der Gläubigen) wird doch mit Füßen getreten, wenn z.B. der Katechismus der kath. Kirche von 1993 Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe als Unzucht und schwere Sünde verteufelt.
Wie lange werden die kath. Amtskirchenvertreter noch leugnen, dass von der Mehrzahl der Katholiken die Vorgaben zur Sexualität nicht nur nicht mehr praktiziert, sondern kopfschüttelnd, wütend und zugleich als nicht im täglichen Leben nachvollziehbar kritisiert werden?!

Ein Erkrankungssyndrom : bestehend aus Reformverweigerungsobsession, Realitätsblindheit und pathologischem Dogmenperseveranzverhalten ist unheilbar – selbst für eine vom Hl. Geist sich geleitet wähnende kath. Kirche!
Johannes Brinkmann
21.09.201422:56
Hermann Häring hat sehr recht. Ihn zu überhören wäre sträflich.