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Der Papst im Chile-Desaster

von Britta Baas vom 02.06.2018
Sexuelle Exzesse, Gewalt, Machtmissbrauch: In der chilenischen katholischen Kirche ist das alles seit Jahrzehnten Praxis. Das Ausmaß des Skandals, der sich nun offenbart, führt die Institution an den Abgrund. Fast alle Bischöfe haben dem Papst ihren Rücktritt angeboten. Der aber will, dass sie sich ihrer Verantwortung stellen
Aktivisten-Protest schon beim Besuch des - damals noch konflikttauben - Papstes in Chile im Januar: Der massenhafte sexuelle Missbrauch von Kindern, Jugendlichen, Frauen und Männern durch Geistliche der katholischen Kirche bringt die chilenische Kirche an den Abgrund. (Foto: pa/ap/Caivano)
Aktivisten-Protest schon beim Besuch des - damals noch konflikttauben - Papstes in Chile im Januar: Der massenhafte sexuelle Missbrauch von Kindern, Jugendlichen, Frauen und Männern durch Geistliche der katholischen Kirche bringt die chilenische Kirche an den Abgrund. (Foto: pa/ap/Caivano)

Der Aktivist hat sich als Nonne verkleidet. Am Rand einer Straße, die Papst Franziskus im Januar bei seinem Besuch in Chile kreuzt, hat sich der junge Mann postiert. Er will auffallen, zeigen, was los ist im katholischen Chile: Die heilige Kirche ist in unheilige Händel verstrickt. Priester missbrauchen Frauen, Männer und Kinder. Bischöfe schauen weg – oder sind selbst in den Missbrauch verstrickt. Das Abtreibungsrecht ist rigide, Frauenrechte werden mit Füßen getreten, und über allem wird das Weihrauchfass geschwenkt. Doch die Polizei hat den jungen Aktivisten schon entdeckt. Er wird festgenommen. Ein letztes Mal schreit er seinen Protest heraus, dann ist er verschwunden. Der Pontifex bekommt ihn nicht zu Gesicht.

Das war im Januar. Inzwischen hat sich die Lage gründlich geändert. Nur fünf Monate später weiß Papst Franziskus mehr über die Zustände in Chiles Kirche, als ihm lieb sein kann. Im Vatikan hatte er Besuch von Missbrauchsopfern aus Chile, bestellte daraufhin die gesamte Bischofskonferenz des Landes ein, ist an diesem ersten Juni-Wochenende, wiederum in Rom, im Gespräch mit Priestern, die selbst Opfer von sexuellen Übergriffen anderer Priester und Vorgesetzter wurden. Bei den Opfern des Skandals in Chile hat er sich offiziell entschuldigt: Er habe sie nicht ernst genommen, das Ausmaß der Gewalt und der Exzesse nicht glauben wollen, habe die Situation falsch eingeschätzt. Damit sei jetzt Schluss. Er bitte um Entschuldigung. Kurz: Der Papst hat die Glocken läuten gehört. Und mittlerweile hält er sich nicht mehr die Ohren zu.

Drei Desaster sind ihm klar geworden.

Desaster Nummer eins: Er hat zu spät reagiert, zu lange seinen geweihten Inform

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