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Der nächste Papst sei der letzte

von Christian Modehn vom 16.02.2013
Papst Benedikts Amtsverzicht tut der katholischen Kirche gut. Doch dieser historischen Entscheidung muss eine noch größere folgen: der Verzicht auf die bisherige Gestalt des Papsttums. Ein Zwischenruf von Christian Modehn
Und wenn der Stuhl Petri frei bliebe? Was dann? Der Theologe und Philosoph Christian Modehn fordert: Der nächste Papst sei der letzte. (Foto: pa/Borgia)
Und wenn der Stuhl Petri frei bliebe? Was dann? Der Theologe und Philosoph Christian Modehn fordert: Der nächste Papst sei der letzte. (Foto: pa/Borgia)

Mit seinem Rücktritt hat Benedikt XVI. bewiesen: Auch ein Pontifex Maximus bleibt ein freier Mensch. Er ist nicht total den ewigen Gesetzen seines Amtes unterworfen. Mit dem überraschenden Rücktritt wird ein Zeichen gesetzt: Selbst das Amt des Papstes kann sich, vernünftiger Einsicht folgend, wandeln. Die römische Kirche geht nicht unter, wenn ein »Papst außer Dienst« neben einem neu gewählten lebt. Und Benedikt weiß: Sein Amtsverzicht tut der Kirche gut.

Doch diese kaum zu überschätzende historische Tat wird missverstanden, wenn nicht jetzt eine radikale Reformbewegung folgt: Der nächste Papst muss ein qualitativ anderer sein. Konkret: Dem Amtsverzicht Benedikts muss ein noch größerer Verzicht folgen, nämlich der Verzicht auf die bisherige Gestalt des Papsttums. Der nächste Papst sollte also der letzte sein.

Alles hektische Spekulieren – »Wer wird denn der nächste Papst?« – ist ja nur oberflächliches Spektakel. Stattdessen sollte ab sofort über eine neue Reformation nachgedacht werden. Nicht nur Theologen, Gemeinden, Gruppen, Initiativen weltweit sind sich längst einig: Das Papsttum als Form einer autoritären absoluten Monarchie behindert und verhindert mehr den Glauben als dass es ihn fördert. Der Papst an der Spitze einer Hierarchie von sich selbst erwählenden Männern darf nicht länger in Fragen des Glaubens und der Ethik über alles und alle verfügen. Mit dieser Form autoritären Glaubens muss in einem langsamen Prozess des Umbaus Schluss gemacht werden.

Das denken sehr viele: Aber fast alle sind so eingeschüchtert, dass sie es öffentlich nicht äußern. Ein prinzipiell synodal verfasster Katholizismus muss aufgebaut werden. Nur diese Form ist de

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Kommentare
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Heinz Pütter
19.02.201313:19
Was uns Christen und dem Vatikan fehlt, ist die Nähe Gottes. Das Papsttum hat uns von Gott entfernt.
Ein Guru, der von einem Schüler gefragt wurde, wie er es geschafft hätte, Gottes Nähe zu erreichen, antwortete ihm:"Indem ich mein Herz weiß gemacht habe durch schweigende Meditation und nicht indem ich Papier schwarz gemacht habe durch religiöse Schriften." Und auch nicht, können wir hinzufügen, indem wir die Luft dicht und stickig machen durch Konversation über Spiritualität."
Philipp Kohl
19.02.201309:47
Wenn ein Papst zurücktritt, warum nicht alle Kirchenmitglieder auch? Abstimmung mit den Füßen - hat schon mal funktioniert. Ob´s dann besser wird, weiß man nicht - schlechter auf keinen Fall...
Hanna Leinemann
17.02.201314:28
Danke, Christian Modehn; dazu nur noch: "Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!" (Hermann Hesse, Stufen) -
Heidrun Krismer
17.02.201312:54
Welch wunderbare Vision und Hoffnung! Ich glaube, dass Wunder möglich sind. Gottes Geist wehe kraftvoll!!
Paul Haverkamp
17.02.201309:01
Es wird für die kath. Kirche ohne ein „aggiornamento“ keine Zukunft geben. Die einzige Legitimation für das Papstamt ist die Dienstfunktion. Das heutige Amtsverständnis ist eine Perversion jesuanischer Lebens- u. Denkweise.

Die Überwindung von Papalismus, Realitätsverweigerung u. Reformresistenz werden über die Zukunft der kath. Kirche im 3. Jahrt. entscheiden. Dienst statt Herrschaft – das müsste das Motto eines neuen Papstverständnisses sein. Die monarchischen Herrschafts- und Verwaltungsstrukturen des Papstamtes entziehen sich einer Legitimation durch Jesus.

Wenn Kardinal Sodano Ostern 2010 den Papst mit den Worten huldigte: „Frohe Ostern, Heiliger Vater, frohe Ostern, sanftmütiger Christus auf Erden, die Kirche ist mit dir!", so ist ein solcher Gruß mit der Gleichsetzung von Papst und Christus nicht nur eine Blasphemie, sondern auch der Beweis für eine nur auf Macherhalt ausgerichtete Männerkirche, die die „Zeichen der Zeit“ nicht versteht.