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Das schönste Fest des Lebens

vom 28.09.2020
von Christina und Marco Müller
(Foto: Nico Stolz)
(Foto: Nico Stolz)

Das schönste Fest des Lebens,
seit Monaten laufen die Vorbereitungen
im Kopf seit zwanzig Jahren.

Jeder Schritt, jeder Platz, jede Blüte, jeder Knopf
ist geplant und so gewollt.
Hoch sind die Erwartungen,
die eigenen am allerhöchsten.

Man hat schon einige Hochzeiten gefeiert;
ohne dass mans böse meinte:
die eigene soll die schönste werden.

Und dann das.

Die Welt geht auf Distanz.
Der Nächste wird zum Gefährlichsten, Gefährdetsten.
Gesichter werden verhängt,
ihres Ausdrucks beraubt,
mit gutem Grund
und doch kaum zu fassen
unter Vertrauten.

Das schönste Fest des Lebens.
Verschieben?
Bis wann?

Bis es wieder normal wird?
Bis man wieder normal genug feiern kann?
– normal, das heißt wohl: maximal.
Zählt eine Hochzeit nur noch, wenn sie alles Bisherige toppt?

Hieße sie dann nicht Höchstzeit?
Wäre sie dann nicht Teil einer Welt,
in der nur noch Steigerung zählt?
– rastlos, ständig
höchste Zeit …

Das Leben bremst ab.
Hält den Atem an.
Besinnt sich.
Beschränkt sich.

Wann, wenn nicht jetzt,
ist der Moment gekommen,
zu lernen,
das Streben nach mehr
loszulassen.

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Dem nicht nachzuhängen,
wie es hätte sein können.
Was alles und wer alles …

Nicht das zu sehen,
was noch fehlt,
sondern einfach das,
was ist.

Stunde null,
was war, ist nicht mehr,
was hätte sein können,
noch weniger.
All das zählt, was ist.

Jeder Augenblick,
jedes Lächeln.

Diesen schönsten Anlass zu feiern –
so viel wir können.

Das schönste Fest ist nicht das größte, teuerste, prächtigste, längste, ausgelassenste.
Was nutzt die beste Lockerung,
wenn sie doch in Kopf und Herz nicht ankommt?

Das schönste Fest ist, wenn die, die da sind,
so sehr mitmachen,
dass der Mundschutz die Begeisterung nicht länger zurückhalten kann.

Das schönste ist, dass wir zusammen sind.
Jetzt und hier.

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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