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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2019
Respekt. Vertrauen. Versöhnung
Was der Mensch zum Leben braucht
Der Inhalt:

Die universale Gottesbegegnung

von Norbert Copray vom 20.12.2019
Buch des Monats: Der Sinn von Weihnachten wird von manchen Staatenlenkern auf den Kopf gestellt – aber auch längst von gewissen Entwicklungen in der Gesellschaft. Was an Weihnachten tut dem Menschen wirklich gut?

Eberhard Schockenhoff
Frieden auf Erden?
Weihnachten als Provokation. Herder.
144 Seiten. 18 €

Weihnachten ist Weltkulturerbe. Kein Kulturkreis ohne Weihnachten, auch wenn die Kultur überhaupt nicht christlich affin ist. Bei diesem Welterfolg geht das Provokativ von Weihnachten leicht unter. Umso wichtiger, dass Eberhard Schockenhoff genau darauf abzielt: »Frieden auf Erden?« Denn die verkündete und geglaubte »Erlösung in einer unerlösten Welt« ist die Provokation, der viele einfach dadurch entgehen, indem sie diese geflissentlich übergehen oder im Konsum und in Reiselust begraben.

Fragt sich, ob Menschen generell noch von der angenommenen Friedenssehnsucht geprägt sind, wie Schockenhoff unterstellt. Gilt diese Friedenssehnsucht auch für Menschen, denen es umfassend gut geht und die sich wünschen, dass ihr schönes Leben nie zu Ende gehen möge? Gilt die Friedensbotschaft eher den Menschen in prekären Lebensverhältnissen – welchen Sinn sollte sonst die Menschwerdung Gottes in ärmlichen Verhältnissen in einer einfachen Frau, in einem Stall, auf einer Flucht, in einem Volk unter Fremdherrschaft haben? Und »besitzt Weihnachten noch auf der Schwundstufe, auf der viele Menschen es heute noch erleben, einen existenziellen Mehrwert, den auch Atheisten und Agnostiker nicht missen wollen«?

Schockenhoff, katholischer Priester, Professor für Moraltheologie in Freiburg und Mitglied des Deutschen Ethikrates, vermag in dichten, überzeugenden, spirituell-theologischen Meditationen die heutige Attraktivität des Weihnachtsfestes herauszuschälen – jenseits verkitschter, allzu romantischer und nur auf Innerlichkeit konzentrierter Deutung. Eingangs zeigt er, wie sehr die Weihnachtsgeschichte eine Gegen-Erzählung zum Machtverständnis und -gebrauch des damals herrschenden Kaisers und damit zugleich aller Potentaten ist.

Staatenlenker, die sich christlich nennen, wie die Polens, Ungarns, Brasiliens, der Philippinen und der USA, stellen die Weihnachtsbotschaft auf den Kopf. Viele andere Christen mit ihnen. Schockenhoff demonstriert mit seinen Meditationen, dass »wer auf das Kind im Stall blickt und die Gottesgeburt in seinem Herzen feiert, Gott auch im Stall seines Nachbarn in den Ställen der Welt suchen und finden« wird: »Der Universalismus der Gottesbegegnung im Anderen bestimmt die Identität des Christentums.«

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