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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2018
Gott wird Wort
In der modernen Welt vom Unsagbaren reden
Der Inhalt:

»Ein Rettungsanker gegen Einsamkeit«

von Ulrike Scheffer vom 21.12.2018
Die Berlinerin Erika Gutsche feiert mit älteren Menschen aus ihrer Nachbarschaft Weihnachten

Auf einer Fahrt unseres Vereins »Freunde alter Menschen« zum Weihnachtsmarkt in Potsdam gestand mir eine ältere Dame, sie habe im Leben noch nie einen Glühwein getrunken. Das war so ein Moment, in dem mir klar wurde, wie zurückgezogen viele alte Menschen leben. Die meisten würden wohl nicht zugeben, dass sie einsam sind. Doch Einsamkeit ist ein großes Problem, gerade in der Weihnachtszeit. Bei uns im Wedding herrscht noch dazu ein eher raues Klima, man muss sich durchboxen. Das fällt Älteren besonders schwer. Eine Anlaufstelle wie die »Freunde alter Menschen« kann da ein Rettungsanker sein.

Der Verein vermittelt Besuchs- und Telefonpatenschaften und organisiert Ausflüge und Veranstaltungen. Ich begleite alte Nachbarn zum Arzt, lese ihnen vor oder höre einfach zu. Am schönsten ist das Weihnachtsfest an Heiligabend. Da trinken wir gemeinsam Kaffee, machen Musik und singen zusammen – wie eine Familie. Etwa zwanzig Personen sind wir, fünfzehn Senioren und fünf Ehrenamtliche. Abends gibt es ein richtiges Weihnachtsessen. Die meisten sind dann fröhlich und können ihre Probleme für ein paar Stunden vergessen. Viele sind mit ihren längst erwachsenen Kindern zerstritten, oder sie haben gar keine Angehörigen mehr.

Ich frage mich oft, wie es mir wohl gehen wird, wenn ich alt sein werde, denn ich bin ebenfalls alleinstehend. Das spornt mich an, mich für alte Menschen in meiner Nachbarschaft einzusetzen. Außerdem bin ich gern mit Älteren zusammen. Sie haben so viele interessante Geschichten zu erzählen. Zu einer Dame aus meinem Haus hat sich eine richtige Freundschaft entwickelt. Für sie bin ich fast schon wie eine Tochter. Als sie krank wurde, war es für mich ganz natürlich, ihre Betreuung zu übernehmen. Man muss allerdings Fingerspitzengefühl mitbringen im Umgang mit Älteren. Viele schämen sich, Hilfe anzunehmen.

Ich habe auch gelernt, die Not, die ich sehe, nicht so sehr an mich herankommen zu lassen. Man muss den Schalter umlegen können, sonst kann man sich nicht um andere kümmern. Hier im Wedding sind viele Ältere von Armut bedroht. Die sind zwar tadellos gekleidet. Aber wenn man sie näher kennenlernt, merkt man: Die haben gar nichts. Manche sammeln deshalb Pfandflaschen aus Mülleimern.

An den Lebensumständen alter Menschen kann ich als Ehrenamtliche wenig ändern. Es reichen aber ganz banale Dinge, wie ein kurzes Gespräch oder ein paar Blu

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