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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2017
Was Menschen wirklich brauchen
Ein Gespräch mit dem Soziologen Hartmut Rosa über die Sehnsucht nach Resonanz
Der Inhalt:

Zwischenbilanz: Grundeinkommen in Finnland

von Wolfgang Kessler vom 22.12.2017

Armut bekämpfen, Verwaltungskosten senken und die Bürger zufriedener und freier machen – das sind die Ziele eines Experiments mit einem bedingungslosen Grundeinkommen in Finnland. Seit dem 1. Januar dieses Jahres erhalten 2000 Arbeitslose 560 Euro im Monat – zunächst bis zum 31. Dezember 2018. Dieser Betrag ersetzt das Arbeitslosengeld, eventuell auch das Krankengeld oder das Elterngeld – je nachdem, welche Sozialleistung eine Person bezieht. Obwohl die 580 Euro Grundeinkommen niedriger sind als das Arbeitslosengeld von 700 Euro, konnte sich die Regierung vor Bewerberinnen und Bewerbern nicht retten. Der Grund: Das Grundeinkommen verpflichtet die Arbeitslosen zu nichts, sie können damit machen, was sie wollen, müssen sich nicht ständig beim Jobcenter melden, Bewerbungen schreiben und Kurse besuchen. Und: Alles, was sie zusätzlich zum Grundeinkommen verdienen, dürfen sie behalten. Die Bezieher von Arbeitslosengeld dagegen müssen weitere Einkünfte hoch versteuern.

»Wir haben versucht, einen Betrag zu finden, der Menschen animiert, einen Job zu suchen – und nicht zu Hause zu bleiben und nichts zu tun. Deshalb ist das Grundeinkommen so niedrig«, sagt Marjukka Turunen, die Leiterin des Projekts bei der finnischen Sozialversicherungsanstalt.

Die ersten Erfahrungen nach einem knappen Jahr sind verhalten positiv. Die meisten Teilnehmer haben nach einem Job gesucht – und dies sehr entspannt, weil sie im Zweifel vom Grundeinkommen leben konnten. Dadurch wählen sie ihre Arbeit genau nach ihren Wünschen aus – auf absolute Billigjobs sind sie nicht angewiesen. Auch nehmen sich manche der Bezieher des Grundeinkommens jetzt mehr Zeit, um Angehörige zu pflegen – während sie vorher jede Pflegezeit vor der Sozialversicherungsanstalt rechtfertigen mussten, was viele genervt hat. Der bürokratische Druck ist geringer geworden. So lässt sich sagen: Ein Grundeinkommen entspannt den Kampf ums Überleben und macht eher Lust auf Arbeit, als dass Menschen in der Hängematte liegen bleiben.

Was das finnische Experiment bisher nicht beantworten kann, ist die Frage nach den gesamtwirtschaftlichen und sozialen Folgen eines bedingungslosen Grundeinkommens für alle. Klar: Die Menschen würden vom Stress der Sozialbürokratie befreit. Andererseits stellt sich die Frage, ob Unternehmen nicht ihre Löhne senken würden, wenn alle Menschen noch ein Grundeinkommen hätten. Oder: Wie kann ein bedingun

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