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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2017
Was Menschen wirklich brauchen
Ein Gespräch mit dem Soziologen Hartmut Rosa über die Sehnsucht nach Resonanz
Der Inhalt:

Kein Schluck ohne Risiko

Trinken Schwangere Alkohol, kann es das ungeborene Kind unwiderruflich schädigen. So erging es Shannon und Jim

Bekommt die 16 Jahre alte Shannon montags morgens fünf Euro Taschengeld, gibt sie es noch am selben Tag aus. Wie viel Taschengeld sie im Monat bekommt, kann sie nicht ausrechnen. Ihr 11 Jahre alter Bruder Jim greift nach der Hand seiner Mutter Karin Lepke, sowie sie gemeinsam das Haus verlassen. Denn vorbeifahrende Autos, ein bellender Hund, die Sirene eines Krankenwagens – all das ist ihm schnell zu viel. In den Pausen auf dem Schulhof tickt er manchmal aus, schubst andere, schreit und schlägt um sich.

Shannon wurde adoptiert, Jim ist Pflegekind. Und beide haben das Fetale Alkoholsyndrom. Ihre Mütter haben während der Schwangerschaft Alkohol zu sich genommen. Dieser hat das Gehirn der Kinder unwiderruflich geschädigt.

Karin Lepke erinnert sich noch gut daran, wie sie nach Jahren des Wartens auf ein Adoptivkind im Krankenhaus die sechs Wochen zu früh geborene Shannon vorgestellt bekamen: »Mit viel Liebe und Fürsorge wird das ein ganz normales Kind«, bekamen sie gesagt. Doch selbst für ein Frühchen war Shannon außergewöhnlich klein und leicht, sie schrie in den ersten Wochen fast ununterbrochen, schlief kaum, aß schlecht. Eine Kinderärztin klärte Karin Lepke schließlich auf: Die Neugeborene war auf Entzug. Heute ist Shannon eine hübsche 16-Jährige mit langen blonden Haaren. Ihre Behinderung ist ihr nicht anzusehen. Die typischen Merkmale einer vorgeburtlichen Alkoholschädigung haben sich bei Shannon verwachsen. Auf Kinderfotos sind sie deutlicher zu erkennen: eine sehr schmale Oberlippe, die Rinne zwischen Oberlippe und Nase ist kaum vorhanden, die Ohren sitzen tief.

Das Fetale Alkoholsyndrom ist die häufigste Hirnschädigung bei Neugeborenen, häufiger als eine Hirnschädigung, d