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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2017
Was Menschen wirklich brauchen
Ein Gespräch mit dem Soziologen Hartmut Rosa über die Sehnsucht nach Resonanz
Der Inhalt:

Hadernder Heiliger

Roman. Alle, die in katholischen Familien aufgewachsen sind, haben es vermutlich schon einmal versucht: den Heiligen Antonius anzurufen und ihm eine Münze in den Opferstock zu werfen, wenn ihnen der Schlüsselbund, die Brille, der Ring oder die Scheckkarte abhandengekommen ist. Manche schwören gar darauf, jedenfalls die, die dem Volksglauben trauen. Irgendwas wird schon dran sein. »Der Mann, der Verlorenes wiederfindet« heißt denn auch die Novelle von Michael Köhlmeier über den heiligen Antonius. Antonius soll den Fischen gepredigt haben, von ihm heißt es, er habe Franziskus von Assisi folgen wollen, der den Tieren gepredigt hat. Doch davon handelt diese moderne Heiligenerzählung weniger.

Sie beschreibt Antonius vielmehr als einen sehr lebendigen Menschen, einen Mann, der liebt und Gefühle zeigt, der hadert und mit seiner Berufung ringt. Einer, der die intellektuelle Provokation liebt und seine Mitbrüder damit verwirrt. So kommt dieser mittelalterliche Heilige, von dessen konkretem Leben wenig überliefert ist, ganz nahe. Berührend ist dieser Text schon gleich zu Beginn, wenn beschrieben wird, wie Antonius auf einer Pritsche von Camposampiero nach Padua gebracht wird. 3000 Menschen folgen ihm. Man kann sich eine große Prozession in sengender Hitze vorstellen. Die Leute rechnen mit seinem Tod, und sie wollen bei ihm sein. Der wortgewaltige Mann ist für sie schon zu Lebzeiten ein Heiliger. Am Ende seines Lebens gehen dem Sterbenden die entscheidenden Lebenssituationen und die menschlichen Grundfragen durch den Kopf: Ob Gott tatsächlich existiert? Wie lässt sich damit das Böse in der Welt vereinbaren? Und was ist, wenn Gott nicht existiert? Und ob er in seinem Leben und mit seiner Kunst der Rede et