Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2015
Friede auf Erden!
Navid Kermani über die Macht der Feindesliebe und das Geheimnis Gottes
Der Inhalt:

Nachgefragt: Was sagte Seehofer?

von Michael Schrom vom 18.12.2015
Nach der Kritik bayerischer Ordensoberer am CSU-Chef gab es ein Gespräch. Was kam dabei heraus? Fragen an Provinzial Stefan Kiechle SJ

Publik-Forum: Was hat bayerische Ordensobere bewogen, einen offenen Brief an Horst Seehofer zu schreiben?

Stefan Kiechle SJ: Wir haben über die Medien die Politik der CSU und der Landesregierung verfolgt und waren unter anderem mit der Rhetorik von Horst Seehofer unzufrieden. Seine Äußerungen über Flüchtlinge waren uns zu bürokratisch und oft mit einem abwertenden Tonfall unterlegt. Der Ausdruck »massenhafter Asylmissbrauch« zum Beispiel unterstellt ihnen unlautere Motive. Viele Ordensleute arbeiten im direkten Kontakt mit Flüchtlingen und wissen daher, dass man nicht so abstrakt und technokratisch über Menschen und ihre Schicksale sprechen darf. Das wollten wir zum Ausdruck bringen.

Wie verlief das Gespräch?

Kiechle: Der Ministerpräsident hat sich fast zwei Stunden Zeit genommen. Das Gespräch war differenziert und offen, die Atmosphäre sehr gut.

Ist Ihre Kritik angekommen?

Kiechle: Er hat uns intensiv zugehört, und ich glaube schon, dass unsere Anliegen ankamen, insbesondere die Kritik an der verletzenden Rhetorik. Diesbezüglich bekommen Politiker meist wenig Rückmeldung. Sie machen ja die umgekehrte Erfahrung, dass die Medien gerne die besonders zugespitzten Formulierungen aufgreifen.

Andere kritisieren das auch, ohne dass sie eine Einladung zum Gespräch erhalten. Wie erklären Sie sich die schnelle Reaktion?

Kiechle: Die Kirche und insbesondere die Ordensgemeinschaften sind immer noch tief in Bayern verwurzelt und haben in der Bevölkerung ein hohes Ansehen. Das hat sicher eine Rolle gespielt. Wenn aus dieser Richtung eine so deutliche Ansage kommt, wird das in der Landespolitik gehört.

Wird diese neue Nachdenklichkeit über den politischen Aschermittwoch hinausgehen?

Kiechle: Das weiß ich nicht, ich bin kein Politiker. Eine Rede am politischen Aschermittwoch hat sicher einen anderen Charakter als ein vertrauliches Gespräch mit Ordensleuten. Wir hoffen, dass sich langfristig etwas zum Besseren ändert und man nicht am politisch rechten Rand zu fischen versucht und damit das humane Erbe der CSU, des deutschen Staates und – wenn man das so sagen will – des christlichen Abendlandes verrät.

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen