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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2015
Friede auf Erden!
Navid Kermani über die Macht der Feindesliebe und das Geheimnis Gottes
Der Inhalt:

Bauplan für die Arche Noah

von Bernhard Pötter vom 18.12.2015
Nach dem Jubel über das Klimaabkommen von Paris beginnt jetzt die Arbeit. In Deutschland und weltweit

Pünktlich zum Ende der Klimakonferenz von Paris kam in Frankreich ein neuer Zeichentrickfilm in die Kinos: »Huch, wir haben die Arche verpasst!« Eine bunte Truppe von Tieren schafft es nicht in Noahs Rettungsboot und muss sich in turbulenten Abenteuern selbst retten. Natürlich geht alles gut aus.

Bei der Konferenz von Paris gab es dagegen wirklich großes Kino: Das historische »Pariser Abkommen« zum Klimaschutz verpflichtet zum ersten Mal alle Staaten zum Handeln. Das wahnsinnig ehrgeizige Ziel: Die Erderwärmung auf 2 oder sogar 1,5 Grad Celsius zu beschränken. Dafür sollen in den nächsten Jahrzehnten die fossilen Energien überflüssig werden; die Reichen versprechen den Armen mehr als hundert Milliarden Dollar jährlich für Klimaschutz. Die Staaten der Welt haben also die Arche nicht verpasst, sondern sich kurz vor der Sintflut auf einen Bauplan geeinigt. Ob alles gut ausgeht, hängt davon ab, ob die Staaten dieses Rettungsboot nun bauen.

Klar ist, die Industriestaaten müssen vorangehen: bei der weltweiten Energiewende, bei der Finanzierung von Armutsbekämpfung und grünem Wachstum und beim Abschied von ihrem selbstmörderischen System von Produktion und Konsum. Konkret: Deutschland muss endlich einen sozialverträglichen Ausstieg aus der Kohle organisieren, auch als Vorbild für andere Staaten wie Polen. Die EU muss im nächsten Jahr ihr Klimaziel konkretisieren. Große Verschmutzer wie China und Indien müssen mit eigenem Geld oder fremder Hilfe schnell saubere Technik installieren. Die perversen Subventionen von 550 Milliarden Dollar jährlich für Kohle und Öl müssen enden. Und weltweit muss das Klimagift Kohlendioxid ein Preisschild bekommen. Denn nur was teuer ist, wird eingespart. Bundeskanzlerin Angela Merkel und viele andere Politiker und Ökonomen haben das in Paris wieder mal gefordert.

Das Geld muss grüner werden. In Paris erklärte der Chef der Bank of England, Mark Carney, vor Versicherungen und Pensionsfonds, wie wichtig »Divestment« sei, der Abzug des Kapitals aus den dreckigen Industrien. Carney hat von den zwanzig größten Industriestaaten (und Klimasündern) den Auftrag, das globale Finanzsystem stabil zu erhalten. Seine Warnung ist klar: Der Klimawandel erschüttert das System. Wer jetzt noch in Kohle und Öl investiere, riskiere den Verlust seines Kapitals. Eine so direkte Warnung an die Investoren war neu bei Klimakonferenze

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