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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2015
Friede auf Erden!
Navid Kermani über die Macht der Feindesliebe und das Geheimnis Gottes
Der Inhalt:

»Bleibt da!«

von Thomas Seiterich vom 18.12.2015
Rapper warnen in Westafrika Jugendliche vor der Auswanderung nach Europa

Dakar, die pulsierende Hauptstadt von Senegal, ist das Mekka der Rapper in Westafrika. Nirgendwo gibt es so viele Hip-Hop-Bands wie in der boomenden Millionenstadt an der äußersten Westspitze des afrikanischen Kontinents. Neuerdings kämpfen die Musiker dagegen, dass sich Jugendliche auf den lebensgefährlichen Weg durch die Wüste und über das Mittelmeer nach Europa machen, als illegale Einwanderer.

Matador ist Rapper. Er lebt in Dakar, Senegals moderner Metropole mit Skyline. Auf Gorée, der früheren Sklaveninsel im Atlantik, drei Kilometer vor der Küste, beschreibt Matador seine Sicht der Dinge: »Die Insel ist ein Mahnmal für alle Senegalesen: für die Unzähligen, die von hier aus in die Sklaverei geschickt wurden. Und für die jungen Menschen von heute, die unbedacht den Sklaven von damals folgen.«

Der Rapper meint damit die Jugendlichen, die auf Minibooten das Meer überqueren, in der verzweifelten Hoffnung, ein besseres Leben in Europa zu finden.

»Meine Botschaft an die Ausreisewilligen lautet: Bleibt da!«, sagt Matador.

Immer mehr der rund 3000 Hip-Hop-Bands in Dakar verbreiten diese Botschaft – trotz der notvollen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Die Arbeitslosigkeit liegt in Senegal offiziell bei 48 Prozent. Und dies bei einer Bevölkerung, die zur Hälfte jünger als achtzehn Jahre ist. Matador, der im bürgerlichen Leben Babacar Diagne heißt, sagt: »Wir Rapper bringen die wahren Probleme der Gesellschaft zur Sprache.« In der Sprache Wolof kritisiert er rappend den Staatspräsidenten: »Du genießt die Macht, weil du nicht für dein Wasser und deinen Strom zahlst, dein Telefon, deine Villa und dein Auto mit Chauffeur. Doch wer zahlt dir diesen Luxus? Wir, das Volk ...«

Im Norden von Dakar hat Matador für junge Musikbegeisterte eine Hip-Hop-Akademie gegründet – »auch um die Kids abzuhalten, ihre Zukunft, die in der Heimat liegt, wegzuwerfen. Es hat keinen Sinn, auf dieser lebensgefährlichen Tour alles zu riskieren, nur um in Europa dann Kitsch oder gefälschte Markenartikel an den Stränden und in den Fußgängerzonen zu verkaufen«. Ein Hungerleider in der EU zu werden, das sei keine Perspektive.

In der Hip-Hop-Akademie lernen junge Senegalesen unter professioneller Anleitung den Beruf des DJs, Event-Managers, Musikproduzenten oder Grafikdesigners. Ausländische Kulturinstitute wie

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