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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2013
Da sein, wo die Wunden der Welt sind
Der Inhalt:

Bildung nach Zahlen

von Andrea Teupke vom 20.12.2013
Bei der jüngsten Pisa-Studie hat Deutschland gut abgeschnitten – dennoch will keine rechte Freude aufkommen

»Ich wünsche Dir, dass Du ein gutes Abitur machst«, schreibt ein Mädchen ihrer Mitschülerin ins Freundschaftsbuch. Die Beiden sind zehn Jahre alt. Was soll man davon halten? Haben sich früher Grundschüler auch schon Sorgen um den Schulabschluss gemacht? Und wenn das ein neues Phänomen ist – woran liegt es?

Für eine kleine, aber immer lauter werdende Gruppe von Journalisten, Bildungsexperten und Professoren scheint die Antwort klar: Nicht nur an dieser, auch an anderen negativen Entwicklungen in der Schule ist Pisa schuld. Wenn Eltern prozessieren wegen schlechter Noten, wenn Schüler nur noch wegen der Klausuren lernen, wenn der Leistungsdruck steigt und gleichzeitig das Bildungsniveau sinkt – dann sei das der OECD zu verdanken. »Schluss mit Pisa« liest man deshalb immer häufiger.

Dabei erstaunt nicht nur der schrille Ton all dieser Artikel, sondern auch die seltsame Einmütigkeitig des ansonsten bunt gemischten Haufens: Unter der Flagge Pisa-Kritik segeln stramm konservative Studienräte gemeinsam mit altlinken Erziehungswissenschaftlern, Anthroposophen und Gewerkschaftern. Während die einen den Ausverkauf der »Bildung« fürchten, wollen die andern das dreigliedrige Schulsystem retten, und wieder andere sind schlicht und einfach der vielen Reformen überdrüssig. All dies ist legitim, doch hat es mit Pisa selbst herzlich wenig zu tun.

Erster Kritikpunkt: Ausverkauf der Bildung. Die OECD verfolge mit Pisa finstere Ziele, lautet ein Lieblingsvorwurf der Kritiker. Sie wolle schon Kinder dem Diktat der Wirtschaft unterwerfen, sie zurichten für ihre künftige Rolle als Arbeitnehmer oder Konsumenten, jegliches kritische Denken im Keim ersticken und Schule reduzieren auf marktgängige Kompetenzen. Tatsächlich testet Pisa weder Sozialkompetenz noch Zivilcourage, künstlerischen Ausdruck oder demokratisches Engagement. Aber wie auch? Wie soll ein Test aussehen, der solche Fähigkeiten misst, dazu noch länder- und kulturübergreifend?

Bei Pisa geht es um die Überprüfung elementarer Kompetenzen, ohne die in der modernen Zivilisation keiner ein menschenwürdiges Leben führen kann. Dass Schule mehr tun muss, als diese Überlebenstechniken zu vermitteln, steht außer Frage. Doch Schüler, die schon an den einfachsten alltagsmathematischen Aufgaben scheitern, sind sämtlichen Lügen der Werbung oder politischen Propaganda hilflos ausg

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