Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2013
Da sein, wo die Wunden der Welt sind
Der Inhalt:

Nachgefragt: Ukraine: Wo stehen die Katholiken?

von Oliver Hinz vom 20.12.2013
Weihbischof Bogdan Dziurach von der griechisch-katholischen Kirche über den Machtkampf in Kiew

? Herr Bischof, Sie vertreten eine Kirche, die mit dem Vatikan verbunden ist und der gut fünf Millionen Gläubige in der Ukraine angehören. Wie steht Ihre Kirche zu den Protesten gegen die Regierung?

!Die Menschen in unserem Land protestieren nicht nur. Sie stehen eher für etwas ein: für ein würdigeres Leben, für eine bessere Zukunft ihrer Kinder, für die europäische Perspektive des eigenen Landes. Die jüngsten Schritte der Regierung, die sich gegen die EU-Assoziierung ausgesprochen hat, betrachtet die Bevölkerung als Betrug. Leider haben die Politiker dem Volk nicht zugehört. Noch schlimmer: Die Regierung hat gegen unschuldige und friedvolle Studenten Gewalt angewendet. Unter diesen Umständen haben die Kirchen in der Ukraine ihre Stimme für die Rechte der Menschen erhoben und sich auf die Seite der Schwachen, Unschuldigen und Betroffenen gestellt. Unserer Überzeugung nach stehen der Regierung nicht in erster Linie politische Parteien gegenüber, sondern die bürgerliche Gesellschaft, die den Willen des Volkes zum Ausdruck bringt. Wir stimmen überein mit jenem westlichen Politiker, der gesagt hat: Die Regierenden in der Ukraine sollen auf das Volk hören und es nicht schlagen.

? Können Kirchenvertreter bei der Lösung des Konflikts zwischen Regierung und Opposition helfen, zum Beispiel als Vermittler zwischen beiden Seiten?

! Der All-Ukrainische Rat der Kirchen und religiösen Organisationen hat sich bereiterklärt, das Zustandekommen eines Dialogs zu fördern und alles zu tun, um den Frieden im Land wiederherzustellen und eine Versöhnung zu erreichen. Gespräche und Vermittlungsversuche schließen wir nicht aus. Derzeit beschränken wir unser Engagement aber auf das Gebet für den Frieden. Wir ermahnen die Regierenden, keine Gewalt anzuwenden, und rufen zum Dialog zwischen allen Seiten auf. Wir hoffen, dass die Stimme des Volkes letztendlich gehört wird und dass die konstruktiven Kräfte sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft zu einer friedlichen Lösung der Krise beitragen werden. Dafür beten wir ununterbrochen.

? Auslöser der Demonstrationen ist die überraschende Ablehnung der Regierung, ein Assoziierungsabkommen mit der EU zu unterschreiben. Was erwarten Sie jetzt von der Europäischen Union?

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen