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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2012
Jesu Geburt: Die Würde der Ohnmächtigen
Der Inhalt:

Friedenspilger in Bosnien

von Josef Freise vom 21.12.2012
Muslime und Katholiken machen sich auf und suchen gemeinsam nach Orten der Versöhnung

Wir bilden eine etwas andere Pilgergruppe, aus verschiedenen Religionen zusammengesetzt: Sieben Christen und acht Muslime aus dem Rheinland reisen in den Balkan und besuchen eine Woche lang gemeinsam in Bosniens Hauptstadt Sarajevo religiöse Initiativen, die sich in der von fünfjähriger Belagerung gezeichneten bosnischen Hauptstadt für den Frieden und für ein Miteinander der verfeindeten religiösen und ethnischen Gruppen engagieren. Die Initiative für unsere Reise entstand in der Christlich-Islamischen Gesellschaft.

Sarajevo wurde in seinen glanzvollen Jahren das »Klein-Jerusalem Europas« genannt, weil hier über Jahrhunderte Juden, Katholiken, Orthodoxe und Muslime gut miteinander lebten. »Für uns Franziskaner ist Bosnien nach Palästina und Israel ein zweites Heiliges Land«, sagt der Franziskaner Ivan Sarcevic. Die gewaltfreien Ordensbrüder des Heiligen Franz von Assisi kamen bereits 1291 nach Bosnien. Im 15. Jahrhundert schenkte ihnen der Sultan Religionsfreiheit, vertraglich zugesichert. »Heute reden die Nationalisten«, so erklärt Pater Sarcevic, »das harmonische Zusammenleben im Osmanischen Reich klein.« Gewiss war das Millet-Verwaltungssystem, das unter dem Sultan bis 1918 den Minderheiten-Status von Juden und Christen regelte, nicht Ausdruck einer Gleichberechtigung, aber es war auch kein ständiger Kampfplatz zwischen den Religionen. Juden und Christen waren toleriert und leisteten keinen Militärdienst, zahlten dafür aber höhere Abgaben und Steuern.

Eli Tauber berichtet von der Geschichte der heute kleinen jüdischen Gemeinde in Sarajevo: Bereits im Mittelalter waren sefardische Juden nach der Vertreibung durch die »katholischen Könige« aus Andalusien nach Sarajevo eingewandert. Schon in Spanien hatten sie mit Muslimen zusammengelebt. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten 12 000 Juden in Bosnien. Über die Hälfte wurde von den deutschen Aggressoren ermordet. Gut ein Drittel wurde gerettet – durch Partisanen und zivile sowie kirchliche Helfer. Eine erneute Rettungsgeschichte gab es im Krieg nach dem Zerfall Jugoslawiens in den 1990er-Jahren: Juden halfen muslimischen Bosniaken, aus Sarajevo zu fliehen, indem sie ihnen aus dem Ausland jüdische Ausweise organisierten. So konnten sie ausreisen. Heute leben 700 Juden in Sarajevo und rund eintausend im übrigen Bosnien, viele davon in gemischt-religiösen Ehen. Diese kleine religiöse Gruppe d

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