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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2012
Jesu Geburt: Die Würde der Ohnmächtigen
Der Inhalt:

Ein neuer Stern in Bethlehem

von Thomas Seiterich vom 21.12.2012
Vera Baboun, palästinensische Katholikin und Gender-Forscherin, ist die erste Bürgermeisterin der Stadt

Der Fortschritt ist eine Schnecke. Doch diese Schnecke bewegt sich. Das unscheinbare, langsame Geschöpf kommt voran. Dies gilt sogar in Palästina, einem der hoffnungslosesten Flecken auf dem Planeten, wo die Welt seit dem israelischen Sieg im Sechstagekrieg 1967 von der harten Militärmacht der israelischen Besatzer bestimmt wird.

Fortschritt: Seit Kurzem ist Vera Baboun Bürgermeisterin in Bethlehem – die erste in der 3000-jährigen Geschichte der Geburtsstadt Jesu. Fünf Kinder – Amir, Samer, Nadine, Lordina und Natali – hat Baboun großgezogen. 2007 verlor sie ihren Mann Johnny. Der ehemalige Widerstandskämpfer starb an den Spätfolgen israelischer Folter und Haft. Und jetzt ist Vera Baboun das einzige weibliche Stadtoberhaupt in Palästina. Dies ist eine Sensation. Eine gute Nachricht. Doch den Medien deutscher Sprache ist das kaum eine Erwähnung wert.

Vera Babouns Wahlsieg am 20. Oktober erzielte keine Aufmerksamkeit. Das lag am Konflikt um Gaza und dann an der erfolgreichen Initiative des Chefs der PLO-Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, für Palästina einen hervorgehobenen Sonderstatus bei den Vereinten Nationen zu erkämpfen.

»Das Bürgermeisteramt in der konservativen und patriarchalischen Stadt Bethlehem«, sagt Vera Baboun, »ist ein harter Job in einer Welt vieler ungebildeter Männer.« Die Geschlechterforscherin im Gender Research in Africa and the Middle East (GRACE) und Dozentin für englische, feministische Literatur leitete bisher eine katholische Schule, das Rektorat der Uni Bethlehem und eine Familienberatung. Nun schultert sie eine sehr schwere Aufgabe. Denn die Erwartungen sind enorm. Die Stadt ist in einer verzweifelten Lage. Bethlehem mit seinen rund 30 000 Bürgern ist von drei Seiten abgeschnürt durch israelische Sperrmauern. Einzig zur judäischen Wüste, nach Osten, besteht ein Schlupfloch. Wirtschaftlich ist die berühmteste Kleinstadt der Welt abhängig vom religiösen Tourismus. Den kann Israel, das Bethlehem im Zangengriff hält, jederzeit unterbinden. Zuletzt geschehen während der zweiten Intifada, dem zornigen, palästinensischen Bürgeraufstand von 2000 bis 2005.

Die neue Bürgermeisterin hat markante grüne Augen. Ihre Blicke helfen ihr beim Kommunizieren. Sie trägt das Haar offen, ist unverschleiert. Und sie arbeitet im schicken Business-Ho

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