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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2011
Tanz für die Liebe
Weihnachten: Gott kommt in jedem Menschen zur Welt
Der Inhalt:

Wasserkraft voraus

von Birgit Johannsmeier vom 04.05.2012
In Osteuropa haben es erneuerbare Energien schwer. Nicht so in Lettland. Ein Besuch in Orvils Hennings’ Wasserkraftwerk

Mit ohrenbetäubendem Lärm rauscht das Wasser durch Orvils Hennings’ Wasserkraftwerk. Mehrmals am Tag schreitet der 65-jährige Lette das Staubecken ab, um die Schleuse von Gräsern und kleinen Ästen zu befreien. Unter dem wuchtigen Natursteinbau liegt eine Turbine, die von dem rauschenden Wasser angetrieben wird und Strom erzeugt. Orvils Hennings reguliert über sein Mobiltelefon geschäftsmännisch die Wasserzufuhr. Seit zwanzig Jahren versorgt er mit seinem kleinen Wasserkraftwerk sechzig Haushalte in der lettischen Provinz am Fluss Berze, südwestlich von Riga. Er ist einer von vielen aufstrebenden lettischen Unternehmern, die Europas Energiewirtschaft umkrempeln und Vorreiter in Sachen erneuerbare Energien sind.

Hennings’ Wasserwerk ist ein typisches Beispiel dafür, wie tief die Wasserkraft in Lettland verwurzelt ist. In den 1920er-Jahren bauten seine Großeltern den Betrieb auf und schlossen auch eine Mühle an, die mit Wasserkraft betrieben wurde. Zu Sowjetzeiten wurde das Kraftwerk verstaatlicht. Seit der Unabhängigkeit Lettlands vor zwanzig Jahren ist das Wasserkraftwerk wieder in Familienbesitz mit Orvils Hennings als Geschäftsführer: »Das Kraftwerk war völlig verwahrlost, die Turbinen hatten jahrelang im Schlamm gelegen. Ich aber wollte es neu aufbauen und ins Stromgeschäft einsteigen.«

Orvils Hennings trägt eine derbe Jacke und hat sein graues Haar unter einer Schirmmütze versteckt. Er ist gelernter Ingenieur. Der kräftige Händedruck verrät allerdings, dass er auch mal selbst Hand anlegt. Seit Lettlands Unabhängigkeit hat es Orvils Hennings zum Stromproduzenten gebracht.

Es sei für ihn Ehrensache gewesen, sagt Orvils Hennings, die Geschäfte seiner Urgroßeltern fortzuführen. Denn nach einem halben Jahrhundert unter sowjetischer Vorherrschaft wollte er, wie viele Letten, wieder zurück zur lettischen Natur. Während der sogenannten singenden Revolution habe deshalb gerade die grüne Umweltbewegung eine große Rolle in Lettland gespielt. »Moskau war für uns das Symbol der Umweltzerstörung«, meint Orvils Hennings, »aber wir wollten wieder, wie unsere Großeltern, im Einklang mit der Natur leben.« Während viele lettische Kleinbauern damals den Schritt in die biologische Landwirtschaft wagten, sah Orvils Hennings seine Zukunft in der erneuerbaren Energie.

Noch zu Sowjetzeiten wurde 1965 am großen Daugava-Fluss ein riesiges Kraftwerk in Betrieb gen

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