Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2011
Tanz für die Liebe
Weihnachten: Gott kommt in jedem Menschen zur Welt
Der Inhalt:

Vermögen und Unvermögen

von Isabel Guzmán vom 04.05.2012
Deutschland ist nach wie vor ein Niedrigsteuerland für Reiche

Wer sich die Verteilung des Reichtums in Deutschland vorstellen will, der könnte an eine Stadt denken. Der Ort hat ein Hochhaus, sechzig Meter hoch. Es symbolisiert das Vermögen der zehn Prozent Superreichen. Neben dem Gebäude krabbelt eine Ameise: das gemeinsame Vermögen der dreißig Prozent Ärmeren.

Reiche werden reicher, Arme ärmer – in Deutschland und vielen anderen Ländern gleicht sich die Entwicklung: »Die großen Einkommen und Vermögen wurden in den letzten fünfzehn Jahren spürbar entlastet«, sagt Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. »Zugleich haben die Wohlhabenden dank Globalisierung und Marktliberalisierung ihren Reichtum gemehrt.« Bach hält es daher für unabdingbar, Reiche mittels Steuerreformen stärker zur Kasse zu bitten. Dabei empfiehlt der Ökonom auch einen Blick über den deutschen Tellerrand hinaus: Was die sogenannten vermögensbezogenen Steuern angeht, ist Deutschland nach wie vor ein Niedrigsteuerland.

Erbschaftssteuer, Grundsteuer, Kapitalverkehrssteuern, Vermögenssteuer – solche Abgaben treffen Wohlhabende. In Deutschland ist die Bedeutung dieser Steuerarten überschaubar: Knapp ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts bringen sie dem Fiskus ein. Einen Spitzenplatz belegt Großbritannien mit vier Prozent, Frankreich liegt bei über drei Prozent – das ergeben Zahlen der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) von 2010.

Mehr als 15 Milliarden Euro jährlich, meint Bach, könnte Deutschland durch Reichensteuern zusätzlich einnehmen, ohne größeren wirtschaftlichen Schaden zu erleiden. Er schlägt unter anderem eine Vermögenssteuer von 0,5 Prozent auf alle Vermögen über einer Million Euro vor. Damit würde sich Deutschland Frankreich und Spanien anschließen.

Auch die Grundsteuer, also die Steuer auf Grundstücke und Gebäude, birgt nach Ansicht vieler OECD-Fachleute Luft nach oben. Die Grundsteuer sei verträglich mit dem Ziel des Wirtschaftswachstums und im internationalen Vergleich in Deutschland niedrig, argumentieren die Pariser Experten. Außerdem bestehe nicht die Gefahr einer Steuerflucht ins Ausland. Erbschaften haben die Befürworter von Reichensteuern ebenfalls im Visier – denn sie sind Einkommen, die ohne Eigenleistung zustande kommen. Die Steuern darauf seien in Deutschland ebenfalls zu niedrig, m

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen